Entscheidung am Nordpol

Teil 3: Dem Ziel entgegen

© 2003 by Lady Raven


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"Daiko-sensei", Seseragi sprach den Namen langsam aus, "ist er nicht Professor an er medizinischen Fakultät?"

"Stimmt genau", bekräftigte Takei, "wir sind alte Freunde und es kann nicht schaden einen guten fast-Doktor auf so eine Reise mitzunehmen."

Seseragi fiel auf einmal ein, dass er kürzlich Gerüchte gehört hatte, dass es um Takei-senseis Gesundheit nicht am besten bestellt war. Kein Wunder bei fast siebzig Jahren. Er konnte sich gut vorstellen, dass sich auch Daiko-sensei als alter Freund Sorgen machte, weil diese Expedition alles andere als ein Spaziergang werden würde. So gesehen konnte er kaum gegen die Anwesenheit von Chiba protestieren. Ein Seitenblick zu Kiyoi zeigte ihm, dass dieser ähnliche Gedanken hegte, auch wenn ihm die Schlussfolgerung weit weniger schmeckte.

"Was genau wollen Sie erforschen auf dieser Reise, Chiba-kun?", fragte der Professor interessiert, nachdem er den jungen Mediziner gedrängt hatte, auf dem letzten freien Sessel Platz zu nehmen.

"Nach den Medien erreichen die Sonnenflecken ungefähr zu der Zeit ihre höchste Dichte, da Sie und Ihre Expedition am Nordpol angekommen sind", begann Chiba zu erklären. "Das bedeutet deutlich weniger Licht, auch wenn die Sonne es nicht über den Horizont schafft, und das zusätzlich zur Kälte und den anderen Strapazen, wird für den Metabolismus von uns allen eine beträchtliche Belastung darstellen. Ich habe vor, eine Art medizinisches Tagebuch zu schreiben und sämtliche medizinisch relevante Daten dort festzuhalten. In den Archiven habe ich einiges Material über frühere Nordpolexpeditionen und ihre medizinischen Probleme gefunden. Zusammen mit meinen persönlichen Erfahrungswerten wird das hoffentlich eine würdige Dissertation abgeben."

"Das klingt wirklich gut", strahlte der Professor. "Und wenn wir irgendwelche gesundheitlichen Probleme haben, werden Sie für uns drei da sein."

"Das ist mein Beitrag als Gegenleistung für die unbezahlbare Gelegenheit", sagte Chiba verbindlich und lächelte.

Kiyoi vermochte das Lächeln nicht zu erwidern. In ihm brodelte es. Seine Eifersucht (von ihm selbst als lächerlich abgetan) stritt mit einem sonderbaren Gefühl der Verbundenheit, und da war noch diese unterschwellige Bedrohung, die er zu spüren glaubte und ein alter Schmerz für den er keinen Namen fand. Wie konnte ein einfacher Medizinstudent eine solch' verwirrende Flut von Empfindungen in ihm auslösen, noch dazu wo er Chiba doch gar nicht kannte.

Seseragi war sich auch nicht im Klaren, was er wirklich empfand. Da war das Gefühl, diesen Chiba schon lange zu kennen und doch stritt sein wissenschaftlicher Geist diese Möglichkeit ab. Dazu kam, dass er auch eine Bedrohung zu spüren glaubte, die von Chiba ausging und irgendwie fühlte er sich auch schuldig und wusste nicht, warum und wieso. Auf jeden Fall würde jedoch Chibas Anwesenheit allfälligen Zudringlichkeiten Kiyois einen Riegel vorschieben... und selbst da war Seseragi sich nicht sicher, ob er das begrüßen oder bedauern sollte...

Was in Chiba vorging war schwer zu erraten. Der junge Mediziner war wirklich top, nicht nur was sein Fachgebiet anbelangte. Im Verlaufe der Planungsgespräche kam zum Vorschein, dass er was Allgemeinbildung betraf, selbst Kiyoi in den Schatten stellte, was diesem gar nicht behagte.

* * *

Da Professor Takei die Expedition unbedingt so rasch als möglich durchziehen wollte, verliefen die nächste Tage äußerst hektisch. Seseragi hatte gerade mal kurz Zeit, in der Bibliothek vorbeizuschauen, sich die Diskette von Sorako zurückzuholen und ihr zu danken. Seine Pflanzen im Glashaus wurden nur kurz besucht, keine Rede davon, dass er Stunden dort verbrachte. Dank Sorako fand er eine hilfsbereite Botanikstudentin im zweiten Jahr, die ihm versprach, für seine Glashauspflanzen zu sorgen.

Rascher als jeder der drei jungen Männer das erwartet hatte, waren die Etappen gesteckt und die Vorbereitungen beendet.

Es war ein kalter, klarer Morgen als sich die vier am internationalen Flughafen trafen. Während Professor Takei mit dem methodischen Kiyoi nochmals die Checkliste durchging, stand Seseragi als Gepäcksbewacher neben dem Kaffeeautomaten und nippte gähnend an seinem vollen Becher. Ein paar Schritte von ihm entfernt, standen sich Chiba und seine Freundin gegenüber.

Usagis Augen glänzten verdächtig und ihre zu einem erzwungenen Lächeln hochgezogenen Mundwinkel zuckten.

"Schau mich nicht so an", murmelte er und ergriff ihre linke Hand, um den Ring ans Licht zu halten. "Es ist nur eine kurze Reise, in vier Wochen bin ich wieder da."

Sie schluckte. "Es ist nur die Erinnerung an das letzte Mal am Flughafen. Ich weiß, dass es dieses Mal anders ist, aber ...", sie legte die rechte Hand auf ihr Herz, "da drin ist immer noch die alte Angst. Wenn ich dich so verliere wie damals..." Sie brach ab und senkte den Kopf, damit er die Tränen nicht sah.

"He...", seine Finger legten sich unter ihr Kinn und er hob es sacht an, damit sie in seinen Augen lesen konnte, was er empfand. "Dieses Mal sind wir gewappnet, nicht wahr? Also wird es gut gehen. Vertraue mir."

"Das tue ich doch", murmelte sie und in den blauen Tiefen leuchtete jene unwandelbare Liebe zu ihm, die immer der Quell ihrer Kraft gewesen war.

Da ihm die Worte fehlten beugte er sich herab und strich mit den Lippen sacht über ihren Mund. Es sollte nur ein kleiner Abschiedskuss werden, aber dann schlangen sich ihre Arme um seine Schultern und hielten ihn fest. Durch die wattierte Jacke und den dicken Pullover hindurch spürte er ihre Fingernägel, sie sich an ihm festkrallten und mehr als alle Worte davon sprachen, wie schwer es ihr fiel, ihn mit einem Lächeln gehen zu lassen. Und ihr Kuss ... sie wollte keine flüchtige Berührung, sie wollte mehr ... Obwohl er in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend war, schloss er die Augen und ließ sein Herz sprechen. Ja, Usagi war kein kleines Mädchen mehr. Die Art, wie sein Körper auf ihre Leidenschaft reagierte, ließ ihn ihm die Gewissheit reifen, dass er nach diesem Abenteuer endlich bei ihren Eltern vorsprechen würde, um sie vor den Augen der Welt, endgültig zu der Seinen zu machen. Seseragi konnte den Blick nicht von dem jungen Paar lösen. Längst hatte er den Kaffee ausgetrunken und quetsche den Becher in seiner Hand zusammen.

"Neidisch?", murmelte eine spöttische Stimme neben ihm und er zuckte zusammen. Kiyoi hatte die Unterredung mit Takei beendet und war an Seseragis Seite getreten, während der Professor noch ein paar letzte Telefonate tätigte.

Der sandhaarige junge Mann schluckte und warf den Becher in den Kübel neben dem Automaten. Sein Blick wich den kalten, forschenden Augen Kiyois aus. "Nein, warum sollte ich? Wenn ich wollte, könnte ich auch eine Freundin haben." Man merkte seinem trotzigen Unterton an, dass er sein Bestes tat um Kiyois Nähe zu ignorieren.

Der runzelte verärgert die Stirn und trat ein wenig zurück, um sich von hinten zu Seseragi herab zu beugen. Während seine Hand scheinbar zufällig auf dem Pferdeschwanz Seseragis zu liegen kam, murmelte er kaum hörbar: "Und du glaubst, das würde ich zulassen? Nicht, nachdem ich endlich beschlossen habe, meinen vielen Bräuten Adieu zu sagen und mich auf eine ganz besondere Beute zu konzentrieren..." Seine Finger glitten unter das helle, weiche Haar und strichen sanft über Seseragis Nacken.

Dessen Herz schlug wie rasend und eine wohlige Gänsehaut zog sich über seine Wirbelsäule nach unten. Beute ... das klang so drohend und doch, es war eine Art Geständnis, das jedes abweisende Wort unmöglich machte.

*Warum bin ich nicht ehrlich zu mir... zu ihm? Habe ich Angst vor dem, was andere über uns sagen werden? Bin ich ein Mann oder eine Memme?* Er legte den Kopf in den Nacken und seine warmen, grüngrauen Augen sogen sich an dem stürmischen Eisblau des anderen fest. "Wer sagt, dass du die Macht hast, etwas zuzulassen oder zu verhindern?", forderte er Kiyoi heraus. "Wer ist hier der Jäger, wer die Beute...?" Schweigend maßen sie sich, unsicher, forschend ...

Usagi und Mamoru standen Arm in Arm im Schatten einer Säule, beide mit hochroten Wagen, nicht nur wegen ihres Kusses vorhin, sondern auch, weil die Spannung zwischen den beiden Männern bis zu ihnen hin spürbar war.

"Du wirst nicht zulassen, dass es passiert, Mamoru", sagte Usagi mit einer Entschiedenheit, die allen Abschiedsschmerz in den Hintergrund rückte. "Wir haben zu lange gekämpft, zu viel gelitten, um einfach zuzuschauen..."

Er drückte sie sacht an sich und sah auf ihr besorgtes Gesicht herab. "Keine Sorge, ich habe nicht umsonst alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mit zum Nordpol zu reisen. Es wird nicht soweit kommen und wenn doch..."

"...so hast du noch immer meinen Kommunikator. Ami hat mir ihren geliehen, und wir fünf werden bereit sein. Warte nicht zu lange, hörst du!" Da war sie wieder, die Angst, die sie zu unterdrücken suchte.

"Kein zweites Mal...", murmelte er in ihr goldenes Haar, sodass nur sie es hören konnte, "kein zweites Mal, versprochen!"

"Hallo!!" Der Professor hatte seine Gespräche beendet und winkte heftig mit den Tickets. "Seht auf die Uhr, höchste Zeit, einzuchecken!"

Nur widerwillig löste sich Mamoru von Usagi und gab ihr noch einen letzten, heftigen Kuss, ehe er zum Kofferstapel neben dem Kaffeeautomaten trat.

Seseragi und Kiyoi, die beim Ruf des Professors auseinander gefahren waren, vermieden jeden Blickkontakt, während sie ihre Gepäck nahmen und dem Ruf des Professors folgten.

Usagi sah den vieren nach und wischte sich heftig über die Augen, ehe sie sich einen Ruck gab. Ein letzter, sehnsüchtiger Blick auf Mamoru, dann lief sie entschlossen auf den Ausgang zu.

"Willst du nicht warten, bis die Maschine abhebt?", fragte eine ruhige Stimme hinter ihr. Sie drehte sich um und blickte in das besorgte Gesicht Reis, die nahe dem Eingang gewartet hatte.

Usagi schüttelte den Kopf. "Es wird nichts passieren, nicht, bis sie dort sind und ich vertraue Amis Berechnungen." Sie sah ihre Freundin an. "Hast du Haruka und die anderen erreichen können?"

Reis sah betreten zu Boden. "Nein, ich denke auch nicht, dass es Sinn hat. Es ist ja keine Bedrohung von außen." Ein Blick auf die Armbanduhr. "Minako hat einen Trainingsplan aufgestellt, wie du wolltest." Ihre Lippen verzogen sich zu einem schiefen Lächeln. "Ich hätte nie gedacht, dass du mal um mehr Training bittest..."

Das blonde Mädchen erwiderte das Lächeln und ihr Blick war ernster als je zuvor. "Ich habe mir geschworen, ihn zu beschützen. Er soll sich auf mich verlassen können."

"Du hast dir noch immer nicht verziehen, dass du damals nichts gespürt hast, wie?"

Da Usagi nicht antwortete, strich sich Rei seufzend über die Stirn. "Himmel nochmal, was hättest du schon ausrichten können, hier unten? Auß erdem war Galaxia viel zu stark..."

"Eben deshalb", Usagi trat aus dem Flughafen und zog den Mantel enger um ihre zarte Gestalt. "Eben deshalb will ich gewappnet sein."

"Aber es ist eiskalt und die Kostüme..."

"Werden nicht wärmer sein, wenn wir am Nordpol gebraucht werden", sagte Usagi entschieden. "Ich war lange genug untätig und habe mich drauf verlassen, dass nichts mehr passieren wird. Was ist, wenn wir wieder zu schwach sind?" Sie sah Rei mit einem Blick an, den diese nur von Prinzessin Serenity kannte, "ich will niemanden mehr verlieren. Nicht an sie, nicht an irgendwen..."

Rei schluckte. Seit dem Abschied der StarLights hatte Usagi sich langsam aber stetig verändert. Noch immer hatte sie ihre Untugenden, schlief gern lange, futterte wie ein Scheunendrescher und verschlang Manga statt richtiger Literatur. Auch ihre Schulnoten waren nicht auffällig viel besser geworden, aber irgendwie war ihre Haltung eine andere, besonders was ihre Rolle als Sailormoon betraf.

Sie hatten es alle erst bemerkt, als Ami vor ein paar Wochen die Sonnenflecken analysiert und eine beängstigende Entdeckung gemacht hatte. Sie vier hatten erwartet, dass Usagi bei der Eröffnung der Neuigkeit, in Tränen ausbrechen darauf pochen würde, dass sie doch nur ein einfaches Mädchen sein wollte...

Statt dessen hatte ihre Freundin eine Weile lang gar nichts gesagt und dann Ami aufgefordert zu eruieren wie viele Menschen durch den Einfluss ihrer Feinde ums Leben gekommen waren. Es hatte eine Weile gedauert, bis Amis Nachforschungen abgeschlossen gewesen waren. Doch das Ergebnis hatte sie alle geschockt. An die dreißig Menschen seit auftreten der ersten Feinde ihr Leben lassen müssen, auch wenn die Todesursachen vielfältig waren, angefangen von Unfällen durch herumliegende Trümmer, bis über Herzinfarkte und Selbstmorde sensibler Menschen, denen die Austrahlungen des Bösen einfach zuviel geworden waren. Am meisten Menschen waren durch Galaxias Raub der Sternenkristalle umgekommen, nicht jene wertvollen aus ihrem Garten, sondern die normalen, welche die Menschen auf den Straßen verloren hatten. Nicht alle waren so stark, dass sie dieses Erlebnis ohne schwere Folgen verkrafteten, auch wenn diese erst Wochen später sichtbar wurden und zum Tode führten.

"Wir haben uns zu lange ausgeruht", hatte Usagi gesagt und für einen Augenblick war die goldene Mondsichel auf ihrer Stirn aufgeblitzt. "Die Zukunft ist niemals festgeschrieben und wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass bis zur Entstehung von Kristall Tokio nichts mehr passiert."

Damit war entschieden, dass die Sailorkrieger wieder in den Kampf ziehen würden, auch wenn sie noch keine Ahnung hatten, wann und wo dieser stattfinden würde. Das hatte sich erst nach Usagis und Mamorus Besuch im Glashaus geändert...

In kleinen Dingen war Usagi die alte geblieben. Doch was ihre Haltung und innere Reife anbelangte, da schimmerte immer mehr jener Teil von ihr durch, der sie dereinst ermächtigen würde, die Bürde einer ganzen Welt auf den Schultern zu tragen...

Rei gab sich einen Ruck. Eines nach dem anderen. Noch war es ein weiter Weg bis dahin, ein weiter Weg für sie alle...

* * *

Das Zeichen für "Sitzgurt schließen" erlosch. Mit einem Seufzer der Erleichterung öffnete Seseragi den Sitzgurt und beugte sich vor, um ein Buch aus dem Gepäcksnetz zu holen.

Durch das Fenster fiel sein Blick auf die graue Weite des Meeres tief unter ihnen. Es würde ein langer Flug werden. Die Leute in der Reihe vor ihm hatten es sich für ein Nickerchen bequem gemacht. "Irgendwie duster", murmelte Chiba, der den Sitz neben Seseragi zugeteilt bekommen hatte. Besser gesagt, er hatte sich einfach da Ticket genommen mit dem Satz, dass Kiyoi wahrscheinlich lieber mit dem Professor diskutieren wü rde, sofern es noch ein paar Kleinigkeiten zu klären galt.

Nachdem Seseragi seine Enttäuschung hinunter geschluckt hatte, war es ihm nicht unlieb, dass er neben Chiba statt neben Kiyoi saß. So konnte er sich während der Reise wenigstens halbwegs entspannen. Wiederum sah er aus dem Fenster. Jetzt, nachdem Chiba es erwähnt hatte, fiel ihm auch auf, dass, obwohl die Sonne hoch am Himmel stand, es nicht so hell war, wie es eigentlich sein sollte. "Den Messungen der Meteorologen zur Folge hat die Sonne seit dem Auftreten der Sonnenflecken etwa 15% ihrer Leuchtkraft eingebüßt." Der schwarzhaarige Medizinstudent deutete auf die Überschrift der Zeitung, die er sich am Flughafen gekauft hatte.

"Ich schätze, jetzt werden sich die Mediziner drum reißen, die Einflüsse der Erscheinung auf das Menschliche Gemüt und die sonstige Gesundheit zum Thema großartiger Artikel zu machen", kam es von hinten, wo Kiyoi mit ziemlich starrer Miene hockte. Obwohl er dem Professor gegenüber erfreut getan hatte, war er sauer, dass er nicht neben Seseragi sitzen konnte. Takei wiederum hatte sich gleich nach dem Erreichen der Flughöhe entschuldigt, ein schlechter Gesprächspartner zu sein, hatte ein paar Pillen geschluckt, seine Schlafmaske aufgesetzt und schnarchte seitdem leise vor sich hin. Chiba reagierte gelassen auf den eher gereizten Tonfall des Botanikers. Er faltete die Zeitung zusammen, drehte sich leicht nach hinten und nickte lächeln. "Da stimmt, zahlreiche Kollegen von mir haben bereits eine Menge wilder Theorien entwickelt, was alles passieren wird, wenn das Phänomen zunimmt und anhält. Aber", er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme im Nacken, "keiner hat einen besseren Platz als ich, um dem auf die Spur zu kommen."

"Warum denn das? Nur weil wir zum Nordpol reisen und dort ....", Seseragi runzelte die Stirn, "dort ist doch jetzt Winter und sie Sonne ist nie zu sehen."

"Richtig, doch es ist nicht völlig finster, oder sollte es zumindest nicht sein. Zu der Zeit, wenn wir ankommen, wird die Sonne zumindest für eine Stunde oder so über den Horizont kriechen. Meine Kollegen hingegen finden es am besten nach Australien zu reisen, wo die Sonne jetzt im Australischen Sommer sehr lange vom Himmel brennt. Natürlich gibt es aufgrund der Sonnenflecken dort auch weniger Licht, aber so duster wie am Nordpol wird es selbst mit viel mehr Sonnenflecken nicht werden. Wenn also jemand am besten beobachten wie sich Lichtmangel über viele Stunden und Tage auf ausgesuchte Versuchspersonen auswirkt, dann ..."

"Bist du das, Chiba-kun. Verstehe." Kiyoi machte noch nicht einmal den Versuch, höflich zu sein. Er spielte sein Alter als Trumpfkarte aus, doch Chiba schien sich nicht daran zu stoßen. Vielmehr nickte er zufrieden. "Genau. Wenn es hundert Arbeiten gibt, die sich auf heißen Länder im Sommer beziehen, wird meine Arbeit über den Nordpol im Winter herausstechen und Beachtung finden." Er sah kurz zurück. "Ich nehme an, für Botaniker ist die Wirkung der Sonnenflecken auf das Pflanzenwachstum auch nicht uninteressant..."

"Da hast du recht", mischte sich Seseragi ein, dem die Feinseligkeit Kiyois langsam ziemlich peinlich war. "Aber da Takei-seinsei vorhat, in einem Höhlenkomplex nach uralten Flechten zu forschen, werden wir es am Nordpol mit Pflanzen zu tun bekommen, die es mit wenig bis gar keinem Sonnenlicht aushalten können...."

Die Diskussion ging noch eine Weile hin und her, dann kam die Stewardess mit einem Imbiss und machte der Debatte ein Ende.

* * *

"Genug!" Sailorvenus ging keuchend in die Knie und hob die eine Hand. Seit gut drei Stunden tobten sie durch den verwilderten Park rings um eine aufgelassene Fabrik. Ihre Knie zitterten und ihre Füße fühlten sich an, als würden ihr gleich mal die eiskalten Zehen abfallen.

"Der Meinung bin ich auch." Sailormerkur ließ sich auf einen schneefreien Baumstumpf nieder. "Ich glaube kaum, dass wir jemals in besserer Form waren."

"Ich kann uns ein kleines Feuer machen...", schlug Sailormars vor und stampfte heftig mit den Füßen, um die Zehen etwas warm zu machen.

Sailormoon, wischte sich den Schweiß von der Stirn und rieb ihre nackten Oberarme. "Glaubt ihr, ich übertreibe etwas?", fragte sie unsicher.

"Vielleicht ein klein wenig", meinte Sailorjupiter beruhigend. Sie war von allen noch in bester Verfassung, auch wenn ein feiner Schweißfilm auf ihrer Stirn verriet wie sehr sie sich angestrengt hatte.

"Wenn wir für heute fertig sind", sagte Sailorvenus langsam und stemmte sich aus dem Schnee hoch, "hätte ich gern ein heißes Bad und einen Tee..."

"Noch ... nicht", kam es von Sailormoon. Sie sah ihre Freundinnen entschuldigend an. "Mars und ich, wir haben noch etwas vor..."

Sailormars seufzte. "Du willst es wirklich durchziehen, Sailormoon?"

Diese nickte heftig. "Wir werden jeden Vorteil brauchen, den wir bekommen können. Wir müssen dieses Mal einfach in der Lage sein, sie früher aufzuhalten..."

"Na gut." Mars zuckte die Achseln, "wenigstens werden wir etwas auftauen."

"Was habt ihr zwei im Sinn?", fragte Sailorvenus misstrauisch.

"Ich hoffe, ihr habt die nächsten paar Abende nichts vor", sagte Sailormoon, "denn ich habe Rei gebeten, uns ein paar spirituelle Übungen zu zeigen, mit denen wir unsere Konzentration steigern können."

Während Sailorvenus und Sailorjupiter abgrundtief seufzten, glitzerte es in Sailormerkurs Augen. "Das klingt ja interessant", murmelte sie.

"Das sagst du nur, weil du damit im Lernen noch besser werden könntest", beschuldigte sie Venus. Merkur wurde rot und alle lachten. Das tat gut und Sailormoon entspannte sich ein wenig.

Wenn sie den Zeitplan richtig im Gedächtnis hatte, würden sie bald in Reykjawik landen, dort in ein kleines Flugzeug umsteigen und bis zur äußersten Spitze der Ellesmere Insel fliegen, ihrer letzten Basis bevor es mit Motorschlitten hinaus ging, auf das Eis des Nordpols.

Der Kommunikator an Sailormoons Handgelenk piepste. Sie kappte ihn auf und blickte in Lunas gespanntes Gesicht. "Alles im Grünen, Sailormoon", sagte die schwarze Katze. "Der Durchgang zum Nordpol lässt sich wie Merkur berechnet hat, jederzeit benützen."

"Ich hätte nie gedacht, dass wir da noch einmal durch müssen", seufzte Merkur, die neben Sailormoon getreten war. "Schon Nachricht von Mamoru?"

Die schwarze Katze schüttelte den Kopf. "Nein, aber vor der Landung werden wir kaum etwas von ihm hören."

Damit musste sich Sailormoon zufrieden geben. "Danke, Luna. Wir melden uns nach der Meditation wieder." Sie klappte den Deckel zu und sah ihre Mitstreiterinnen an. "Lasst uns zum Tempel gehen, jetzt gleich!"

Die vier nickten ergeben und machten sich auf den Weg, in der leisen Hoffnung, dass sich all das Training als überflüssig heraus stellen und Sailormoons Befürchtungen sich in Luft auflösen würden...

Weiter zu Teil 4


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Disclaimer: Sailormoon is the property of Takeuchi Naoko, Kodansha and Toei Animation. All characters, settings etc. are used without permission. This is an amateur fiction, and I definitely won't make any money of it.


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