Entscheidung am Nordpol

Teil 5: Das Unheil rückt näher

© 2003 by Lady Raven


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"Ein Meteoriteneinschlag!", rief der Professor aus und fuhr mit den Fingern über die wie glasiert wirkenden Rillen an den Wänden. Über ihnen spannte sich eine Höhlendecke, die von Lücken durchzogen war. Durch die dünne Eisschicht dieser Lücken konnte Tageslicht herein fallen. Mit einem Laut des Entzückens stürzte sich der Professor auf die dichten, phosphoreszierenden Flechtenbezüge, welche wie eine futuristische Landkarte auf den glatten, schwarzen Felsen zu kleben schienen. "Welch eine Entdeckung!", rief er und rieb sich die Hände. "Rasch, packen Sie ihre Untensilien aus, ich brauche Pinzette, Schaber, Mikroskop, Objektträger, Deckgläschen, Pinzette..."

"Schon dabei!" Seseragi stellte den schweren Rucksack ab und holte vorsichtig das Mikroskop heraus, dessen Aku sie vor Antritt der Reise aufgeladen hatten. Kiyoi hatte inzwischen dem Professor Schaber und Pinzette gereicht. Es herrschte fröhliche Betriebsamkeit und im Eifer der Forschung vergaßen die drei alles um sich herum.

Chiba nutzte die Gelegenheit und trat aus der Höhle hinaus in den Schatten des Ganges. Dort griff er in die Hosentasche und holte den Kommunikator heraus. Er klappte ihn auf und aktivierte ihn. "Usagi!", fragte er halblaut. Der kleine, runde Bildschirm flimmerte, dann tauchte das gespannte Gesicht Sailormoons auf. "Mamoru! Was ist los bei euch?"

"Wir sind in der Höhle. Ami hatte recht, es ist das ehemalige Hauptquartier von Königin Beryl. Allerdings hat die Explosion damals einen Teil der Decke zum Einsturz gebracht und auch den Rest ziemlich mitgenommen. Bis jetzt kann ich keine namhaften Reaktionen melden. Wann ist es soweit?" Sie nickte."Laut Amis Berechnungen müsste es in etwa fünf Stunden soweit sein. Wir halten uns bereit."

"Seid ihr schon bei Motoki?", fragte er.

Energisch schüttelte Sailormoon den Kopf. "Nein, wir sind überein gekommen, dass der Weg durch den Tunnel zu lange dauern würde. Wenn es kritisch wird, machen wir eine Teleportation. Luna wird uns anleiten."

Er überlegte kurz, dann stimmte er zu: "Hört sich vernünftig an. Ich hoffe nur, ihr kommt an der richtigen Stelle heraus. Der Nordpol ist groß."

"Darüber mach dir keine Sorgen." Ihr Gesicht nahm einen Ausdruck von fast grimmigem Ernst an, den er bei ihr noch nie gesehen hatte. "Wir haben geübt, es wird eine Punktlandung."

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. "Dann bin ich ja erleichtert. Also bis in fünf Stunden. Eher werde ich mich hoffentlich nicht melden müssen. Wer weiß, vielleicht ist unsere Ahnung doch falsch..." "Sag das nicht!", Ihre Stimme klang drängend und die Sorge leuchtete aus ihren Augen. "Es geht nicht nur um Amis Berechnungen, auch Rei hatte wieder Albträume und", sie fixierte ihn, sodass er nicht ausweichen konnte, "sag mir nur nicht, dass du nicht ebenfalls davon geträumt hast. Wir alle waren dabei, wir alle sind davon betroffen."

Langsam nickte er. "Du hast recht, ich wollte dich nur nicht beunruhigen. Ich konnte mir schon denken, dass ihr Sailorkrieger etwas spürt, aber ..."

Nun wurde ihr Gesicht weich, wenn auch ein leicht verärgertes Funkeln in ihrem Blick zu lesen war. "Du hast dir mal wieder eingeredet, dass ich nicht stark genug bin." Sie seufzte. "Was muss ich noch tun, um dir zu zeigen, dass du mir vertrauen kannst? Wirst du ewig Geheimnisse vor mir haben, nur um mich zu schonen?" Sie machte sich nicht die Mühe, die Kränkung und den Schmerz in ihrer Stimme zu verbergen. "Usagi..." Er streckte die Hand aus und berührte ihr Gesicht auf dem Schirm, als wollte er die Tränen fort wischen, die er in ihren Augenwinkeln schimmern sah. "Du hast ja recht. Ich sollte dir vertrauen, mehr auf dich bauen," er holte tief Luft, "aber ... es ist nicht leicht, ich vertraue mir selbst ja auch nicht." Ohne es zu merken ballte er die freie Hand zu einer Faust. "Wenn ich daran denke, dass immer ich gegen dich ausgespielt worden bin, immer war ich schwach, verletzt, manipuliert ... Ich komme mir so nutzlos vor, wie ein Spielball des Schicksals einzig auserwählt, um dich zu schwächen, dir weh zu tun..." Für einen Augenblick schloss er die Augen, damit sie den alten Schmerz darin nicht sehen konnte. "Wenn ... wenn ich dich nicht so sehr lieben würde, Usagi ... dann wäre ich stark genug, dich zu verlassen, damit du jemanden findest, der gleichwertig an deiner Seite stehen kann."

"Du Dummkopf!" Das Schimpfwort riss ihn aus seiner Niedergeschlagenheit. Noch nie hatte Usagi ihn so beschimpft. Das wütende Glitzern ihn ihren Augen blendete ihn beinahe. "Du bist ein großer Dummkopf, Mamoru. Denkst du wirklich, ich würde jemand anderen an meiner Seite haben wollen? Es stimmt, dass mich alle Feinde am härtesten durch dich getroffen haben. Aber wenn dem nicht so wäre, was wäre meine Liebe denn wert? Glaubst du, dass ein anderer, bei dem es mich kalt lässt, wenn er leidet, wenn er sich von mir abwendet, glaubst du dass mich so einer glücklich machen kann?" Sie sah die Betroffenheit in seinem Gesicht und schluckte. "Denk darüber nach, ...bitte!"

Dann war die Verbindung beendet. Langsam klappte Chiba den Kommunikator zu. Er behielt ihn noch ein paar Atemzüge lang in der Hand, ehe er ihn wieder in die Hosentasche schob. Denk darüber nach ... er hatte mehr als nur ein paar Nächte lang wach gelegen, nach der Geschichte mit Galaxia. Eines hatte er sich fest vorgenommen. Ab nun würde er keine Bürde für Usagi mehr sein, sondern sich und ihr beweisen, dass er zurecht dereinst an ihrer Seite über Kristall Tokio herrschen würde. Er hatte noch einen weiten Weg bis dahin. Die Sache hier war ein Schritt in diese Richtung. Aus dem schattigen Tunnel trat er in die hellere Höhle, wo die drei Botaniker abwechselnd durch ihr Mikroskop blickten und in dicken Wälzern blätterten. So vieles war noch verschüttet, verborgen. Wenn es nicht ans Licht kam, würde er nie ganz das sein können, was er gewesen war und wieder werden wollte.

Chibas Blick glitt an jene Stelle der Höhle, wo der Thron Berylls gestanden hatte. Hier war er ihr treuer Gefolgsmann gewesen, erfüllt und manipuliert von dunkler Macht. Er erinnerte sich an den Moment, als er dort drüben seine Hand um Sailormoons Kehle gekrallt hatte, noch jetzt glaubte er ihren flatternden Puls unter seinen Fingerspitzen zu spüren. Dahin hatte er sie geschleudert und sein Schwert gehoben, eine wertlose Marionette der Finsternis, bereit zu zerstören, was ihm das Teuerste war, den einzigen Menschen, der ihn damals wirklich aus tiefstem Herzen geliebt und bis zuletzt an ihn geglaubt hatte. Wie schwach war er gewesen, wie leicht zu lenken, zu verderben. Bis heute nagte der Gedanke an ihm, dass der Keim des Bösen schon irgendwo in seiner Seele hatte schlummern müssen, sonst wäre es Beryll nicht so leicht gefallen, ihn unter Kontrolle zu bekommen. Und wie war das auf dem Mond gewesen? Gewiss, er hatte sich vor Serenity gestellt und Beryll die Stirn geboten und dennoch, er hatte nichts, aber auch gar nichts ausgerichtet. Serenity war gestorben, mit ihm und das Mondreich war untergegangen. Alleine, ohne die Kraft der Mondkönigin, war er nichts und das schmerzte... Ein paar nette Worte, ein paar Ablenkungsmanöver, ein paar Gefechte, die am Ende aber immer Sailormoon entschied. Er war Opfer geworden, hatte Opfer gebracht aber sollte dieses Dasein als Bauer im Schachspiel des Schicksals alles gewesen sein? Wenn er nicht aus diesem Schatten trat, wäre er auch in Zukunft kein König ... sondern nur ein Prinzgemahl. Einen Schritt hinter ihr, doch nicht berechtigt, an ihrer Seite zu stehen.

"He, Chiba-kun!", rief der Professor und riss ihn aus seinen düsteren Gedanken. "Ich bin dafür, dass wir hier unser Biwak aufschlagen. Wie kalt ist es hier?"

Chiba nahm den Thermometer von der Außentasche seines Rucksacks und zog die Augenbrauen hoch. "Unglaubliche minus drei Grad warm!", rief er hinüber. "Einen besseren Platz finden wir sicher nicht, vorausgesetzt, die Decke ist stabil."

"Sie wird halten", sagte Kiyoi, stand auf und streckte sich. "Ich bin mir da ganz sicher."

Seseragi hieb in die gleiche Kerbe, aber als es dann darum ging, die Igluförmigen Zelte aufzustellen, hielt er sich wieder an Chiba und mied seinen Kollegen.

Im laufe der nächsten zwei Stunden, in denen sie es sich gemütlich machten und im Spirituskocher eine Suppe heiß machten, zu der sie Zwieback und Trockenobst aßen, wurde Kiyois Mine immer kälter und abweisender. Nach dem Abendessen schlug der Professor gut gelaunt vor, dass man auslosen sollte, wer mit wem das Zelt zu teilen hätte. Da weder Kiyoi noch Seseragi offen aussprechen wollten, was in ihren vorging, blieb ihnen nur, gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Der Professor selbst bereitete vier gedrehte Papierstreifen vor, je zwei am unteren Ende mit einem Kreuz und zwei mit einem Kreis markiert. Er hielt den dreien die geschlossene Faust hin, aus der die neutralen Enden der Papierstreifen ragten. Alle drei griffen gleichzeitig zu.

"Kreuz", sagte Chiba nach einem Blick auf seinen Streifen. Der Professor hob das übrig gebliebene Los hoch, sodass alle sehen konnten, dass da auch ein Kreuz drauf war. "Damit sind wir in einem Zelt Chiba, ich hoffe, Sie schnarchen nicht."

Alle lachten, wenn es bei den beiden jungen Botanikern auch etwas gezwungen klang. Seseragi sah sein Los nicht einmal genau an, er steckte es wortlos in die Brusttasche seines Anorak. Kiyoi hingegen starrte auf den Kreis, als könne er ihn durch pure Willenskraft zum Auslöschen bringen. "Für heute haben wir genug getan", sagte der Professor. "Es wird auch immer dunkler und selbst mit unseren Lampen können wir in dieser riesigen Höhle nicht viel ausrichten. Chiba, haben sie eine Möglichkeit gefunden, wie wir unsere sanitären Bedürfnisse regeln können?"

"Habe ich, Professor." Er wies auf einen von mehreren Ausgängen. "Während Sie ihren Sensationsfund auswerteten, habe ich mich ein bisschen umgesehen. Dahinter liegt eine kleine Höhle, vollkommen aus Stein, in der die thermische Aktivität so stark ist, dass ein kleiner Teich mit heißem Wasser zur Verfügung steht. Er hat einen steten Zufluss von kaltem Schmelzwasser und auch einen Abfluss. Es gibt in der Höhle auch eine Nische mit einer Art Kanal, durch das relativ schnell Schmelzwasser zu einem Loch fließt, das sehr tief hinunter zu führen scheint. Ich habe einen Stein hinab geworfen und keinen Aufschlag gehört."

"Das sind wahrhaft gute Neuigkeiten. Da ich hier die ältesten Knochen von allen habe, werde ich mich als erster einweichen. Chiba, Sie kommen mit und zeigen mir alles."

Der Mediziner war einverstanden. Es war ihm sowieso lieber, wenn er den Professor im Auge behalten konnte. Sobald das befürchtete Ereignis eintrat, wäre der Professor sowieso der Wehrloseste von allen. Bewaffnet mit frischer Wäsche und Badetüchern gingen die beiden los. Zurück blieben zwei Botaniker, die einander den Rücken zukehrten, jeder seinen düsteren Gedanken nachhängend.

"Du kannst zuerst gehen", murmelte Kiyoi. "Aber verbrauche nicht das ganze heiße Wasser." "Wenn du dir deshalb Sorgen machst", kam es etwas eingeschnappt von Seseragi zurück, "dann lasse ich dir gerne den Vortritt."

"Ich sagte schon, dass du zuerst kannst!" knurrte der Weißhaarige. "Jetzt spiel' dich nicht auf!" "Wenn sich hier einer aufspielt, dann du", grollte Seseragi. "Wer hat denn groß auf Lover gemacht und dann so getan als wäre das Ganze nur ein Achselzucken wert?"

Kiyoi atmete scharf ein und drehte sich halb um. Seine Hand zuckte, als wollte sie nach dem sandfarbenen Haar greifen, das in seidigen Wellen Seseragis trotziges Gesicht umspielte. Doch dann fiel ihm wieder ein, dass er bisher jede Reaktion des anderen sozusagen erzwungen hatte. Wie konnte er sicher sein, dass Seseragi nicht nur nachgab, weil er ihn drängte? Sie hatten doch beide erst entdeckt, warum es sie nicht zu Mädchen hinzog. Was gab es denn für eine Sicherheit, dass nicht ein anderer die gleichen Gefühle in Seseragi wecken konnte, wenn er nur hartnäckig genug war? Die Hand blieb locker in seinem Schoß liegen. Nein, er würde nicht wieder den ersten Schritt tun. Dieses Mal war Seseragi an der Reihe...

Dieser jedoch interpretierte die mangelnde Reaktion auf seine Beschuldigung als Zugeständnis. Er hatte also recht gehabt. Dieser reiche Fatzke hatte nur einen Zeitvertreib gesucht. Aber Gier, egal wie stark sie war, konnte niemals der Ersatz für echte Gefühle sein. Und wie nahe war er dran gewesen, Kiyoi echte Gefühle entgegenzubringen? Nein, er würde sich nicht lächerlich machen, indem er den ersten Schritt tat und dafür ausgelacht wurde. Kiyoi würde den ersten Zug machen müssen...

Sie schwiegen sich an. Minute um Minute. Dann kamen Chiba und der Professor zurück. Ihre Haare glänzten feucht vom Wasserdampf und sie waren in eine Debatte über den medizinischen Nutzen diverser Flechtenarten vertieft. Chiba nickte den beiden Botanikern lediglich kurz zu, um anzudeuten, dass sie nun an der Reihe wären.

Entschlossen stand Seseragi auf und nahm seine Badesachen. "Gut, dann gehe ich zuerst. Aber", sein Gesicht war eine eingefrorene Maske, "schleich mir nicht nach, um deine perversen Gelüste auszuleben. Davon habe ich genug. Zum Glück bist du nicht der einzige Mann auf Erden."

Tief drin hoffte er. Hoffte, dass Kiyoi aufsprang, ihm versicherte, dass er für ihn der einzige sein wollte.

Schmerzhaft getroffen zuckte Kiyoi innerlich zusammen. Es war wirklich wie er gedacht hatte. Seseragi war einfach ein willensschwacher Mensch, der ihm, Kiyoi, scheinbar nachgegeben hatte, ihn in Wahrheit aber verabscheute. Jetzt, da er um seine Orientierung wusste, würde er sich jemand anderen suchen. Er hatte Seseragi erweckt, jetzt würde er den Preis dafür zu zahlen haben. Den Preis des Verlassenwerdens. Allein in dem Zelt sitzend quälte ihn die Vorstellung, dass ein anderer an Seseragis Seite stehen würde, ein anderer würde in diese Augen sehen und mit dem Finger über die für einen Mann ungewöhnlich weiche Haut streifen. Allein der Gedanke, dass sich andere Lippen mit denen Seseragis trafen, machte ihn wütend und er fühlte den Drang in sich aufsteigen, alles zu zerstören, zu vernichten...

Davon ahnte der frustrierte Seseragi nichts. Er hatte sich gewaschen und saß nun in dem kleinen Teich. Das heiße Wasser tat wirklich gut. Es löste die Verspannung in seinen Nackenmuskeln, die er vom dauernden Beugen über das Mikroskop bekommen hatte. Auch Kiyoi hatte sich viel bücken müssen. Ob er auch so verspannte Muskeln hatte? Seseragi schüttelte energisch den Kopf. Was dachte er nur? Kiyoi sollte ihm doch völlig egal sein, sollte seinetwegen krumm durch die Welt laufen wie ein Urgroßvater mit Hexenschuss... Die Vorstellung eines krummen, runzeligen Kiyoi war so komisch, dass Seseragi lachen musste. Das Geräusch hallte durch die kleine Höhle nach draußen, wo Kiyoi immer noch in düsteren Gedanken schwelgte. Er hob den Kopf und ein kaltes Licht schimmerte in seinen Augen. So war das also. Seseragi amüsierte sich noch darüber, ihn zurückgestoßen zu haben.... Der Groll in seinem Inneren nahm zu.

Nach gut einer halben Stunde kam Seseragi sauber und frisch aus der kleinen Höhle und nickte Kiyoi zu, dass er nun an der Reihe wäre. Dieser erhob sich nur langsam und gönnte Seseragi keinen zweiten Blick, als er an ihm vorbei auf den Eingang der kleinen Höhle zu schritt. Der sandhaarige Botaniker merkte das wohl und zog die Augenbrauen zusammen. Nun gut, wenn Kiyoi auf Ignorieren machen wollte, das konnte er auch. Mit betont fröhlichen Gesicht setzte er sich zu Chiba und dem Professor und klinkte sich in deren Diskussion ein. Es war wirklich purer Zufall, dass er bei einer besonders großzügigen Geste mit seiner Hand über Chibas Arm strich. Dieser registrierte das nicht einmal. Kiyoi hingegen, der sich beim Eingang der Höhle noch einmal kurz umgedreht hatte, sah es und seine Augen wurden zu blankem Eis....

Die drei bemerkten es nicht. Sie waren immer noch in ihre Debatte vertieft, als der Weißhaarige nach einer eher hastigen Reinigung und einem flüchtigen Einweichen zurückkam und sich abseits vor sein Zelt setzte.

Erst nach einer guten halben Stunde, sah der Professor zufällig zu Kiyoi hinüber und bemerkte, dass dieser mit verschränkten Armen und gesenktem Kopf da saß, als würde er dösen. "Seseragi-kun, ihr Kollege ist schon ziemlich müde. Ich denke, wir alle sollten uns um ein paar Stunden Schlaf bemühen. Wenn wir uns ins Zeug legen, können wir die Feldarbeit morgen beenden und mit unseren Proben nach Japan zurückkehren."

"Die anderen Höhlen untersuchen wir nicht mehr?", fragte Seseragi leicht enttäuscht.

"Diese hier ist genug für meine alten Knochen", erwiderte der Professor mit einem bedauernden Lächeln. "Haben Sie übrigens das schwarze Moos bemerkt, das in einer der Ritzen rund um den Heißwassertümpel wächst? Mit ihm und der Flechte hier haben wir zwei Spezies, die hoffentlich einmalig sein werden."

"Wenn Sie das sagen, Takei-sensei", sagte Seseragi mit leicht roten Wangen, weil es ihm peinlich war, das Moos übersehen zu haben, "dann muss es sich um neue Spezies handeln. Es gibt niemanden, der sich so gut damit auskennt, wie Sie!"

Das Lob freute den alten Professor. Er und Chiba zogen sich bald danach in ihr Zelt zurück. Seseragi sah ihnen mit Bedauern nach. Es war ihm nicht so recht wohl dabei, mit Kiyoi in einem Zelt allein zu sein.

Dieser hatte die ganze Zeit mit gesenktem Kopf vor sich hin gebrütet. Das fröhliche Geplauder der drei hatte ihn nur noch wütender gemacht. Offenbar amüsierte sich Seseragi ja blendend, ohne ihn.... Als sich der sandhaarige Botaniker in sicherem Abstand in das Zelt zwängte und es sich in seinem Schlafsack bequem machte, reagierte Kiyoi nicht. Im Moment konnte er sich selbst nicht trauen, nicht was seine Gefühle anbelangte und erst recht nicht, was seine Absichten betraf.

Seseragi wiederum starrte durch den Zelteingang hinaus, wo Kiyoi noch immer saß. "Willst du nicht wenigstens schlafen kommen?", fragte er schließlich vorsichtig. "Es ist sicher besser, wenn wir das Zelt schließ en, sonst wird es so kalt."

Ohne Erwiderung, drehte sich Kiyoi kurz um. Seseragi schluckte, als er den frostigen Glanz in dessen Augen sah. Was war nur mit dem Weiß haarigen los? Der bemerkte natürlich, wie der junge Botaniker in seinem Schlafsack zusammenzuckte und seine Laune sank noch tiefer. Mit einer abrupten Bewegung schlüpfte er in seinen Schlafsack, drehte Seseragi den Rücken zu und tat, als würde er auf der Stelle einschlafen.

Verwirrt und verletzt zog Seseragi den Reißverschluss des Zelteingangs zu, sodass sich die Wärme länger im Inneren halten konnte. Er machte es sich in seinem Schlafsack so gemütlich wie möglich und schloss die Augen. Wenn Kiyoi schlafen konnte, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was letzte Nacht geschehen war und wie nahe sie sich jetzt waren, dann konnte er es auch.

Stille legte sich über die Höhle, doch es war keine friedliche Stille. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Einzig der Professor schnarchte vor sich hin, ohne etwas von den Kräften zu spüren, die sich hier zusammenballten.

* * *

"Bald wird es losgehen", sagte Sailormoon. Die Inneren Senshi nickten. Sie hatten sich hinter dem Schrein von Reis Großvater versammelt und ü bten sich noch mal in Meditation, um ihre Kräfte rechtzeitig einsetzen zu können.

Gleich der erste Sprung musste gelingen. Dafür hatten sie geübt, all die Tage, unermüdlich. Selbst Ami war in der Schule eingeschlafen, so erledigt war sie nach all dem Training gewesen. Trotzdem hatte keine gewagt, Sailormoon zu widersprechen, wenn diese zu einer Übungsrunde rief. Zu oft war in den letzten Tagen die Prinzessin durchgeschimmert, nein, die werdende Königin. Ihre Freundinnen wusste noch nicht so recht, wie sie mit dieser allmählichen Wandlung umgehen sollten. Auch die sonst immer so selbstsichere Sailormars hatte darauf verzichtet, Sailormoon zu oft aufzuziehen. Es ging etwas von ihr aus, das Respekt forderte, jetzt mehr denn je. Jetzt, kurz vor der Schlacht.

Eine schlanke Gestalt trat aus dem Schatten des Tempels. "Ach, hier seid ihr!" Die fünf wandten sich dem jungen Mädchen zu, das in Alltagskleidung, dick mit Anorak, wattierter Hose und Stiefeln vor sie hin trat. "Sie haben mir gesagt, ich soll mit euch gehen. Man würde mich brauchen."

In Sailormoons Gesicht stritten sich Freude und Bangen. "Willkommen in unserer Runde, Hotaru."

Weiter zu Teil 6


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Disclaimer: Sailormoon is the property of Takeuchi Naoko, Kodansha and Toei Animation. All characters, settings etc. are used without permission. This is an amateur fiction, and I definitely won't make any money of it.


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