Eine andere Vorgehensweise

(Geschichten aus dem Königreich des Dunklen - Pt.3)

© 1997/09/03 by Stayka deyAvemta, übersetzt 1997/12/20


Back to Dark Kingdom Home | Dark Kingdom Stories | Stayka's Site Index


English Version | Version française


Der riesige Spiegel aus Eis, den Zoisite herbeigezaubert hatte, war so hoch wie der Raum und gut drei Meter breit. Der hübsche junge Mann schwebte vor ihm herum und probierte dabei einige besonders dekorative Posen aus, die er einzunehmen gedachte, wenn er irgendwo per Teleport erscheinen mußte.

Pic
of Zoisite, floating around by Stayka

Zu Übungszwecken verschwand und materialisierte er wieder und wieder, bis er zufrieden war. Er sah wirklich gut aus, befand er mit einem selbstzufriedenen Lächeln, besonders wenn er mit übereinandergeschlagenen Beinen in der Luft schwebte. Auf diese Weise war seine geringe Körpergröße nicht so offensichtlich. Er seufzte. Fünfzehn Zentimeter mehr wären perfekt gewesen, aber nein... Er würde wohl damit leben müssen.

Er beneidete Kunzite, der fast einen ganzen Kopf größer war als er, und der eine kühle, beherrschte Ausstrahlung hatte, die er, Zoisite, vermutlich niemals erreichen würde. Zoisite errötete zart, als er wieder über seinen gutaussehenden, silberhaarigen Mentor nachdachte. Es war zu schade, daß Kunzite immer so distanziert und zurückhaltend war.

Zoisite seufzte erneut. Widerwillig hatte er sich damit abgefunden, daß er nicht mehr in der Lage war, Kunzite anzugreifen. Er versuchte nicht einmal mehr, daran zu denken, seinen Mentor von Leben zum Tode zu befördern, da er es leid war, jedesmal dieselben Höllenqualen zu durchleiden, wenn er gegen diesen erzwungenen Schwur verstieß. Nicht, daß er es guthieß, aber er hatte erkannt, daß er nichts erreichte, als sich selbst entsetzliche Schmerzen zuzufügen.

Irgendwie konnte er nicht umhin, Kunzite dafür zu bewundern, wie dieser ihn ausgetrickst hatte. Bis jetzt war es niemandem gelungen, ihn so elegant und vollständig schachmatt zu setzen. Nun, dann mußte er eben einen anderen Weg finden, um zurückzuschlagen. Wo brachiale Gewalt nichts nützte, war vielleicht Verführung angesagt.

Zoisite schwebte auf den Boden zurück und setzte ein gefährlich süßes Lächeln auf, bevor er sich mit besonderer Sorgfalt stylte. Natürlich half es, daß er sich tatsächlich zu Kunzite hingezogen fühlte. Er würde diese Art des Vorgehens sicherlich nicht bei Nephrite anwenden. Niemals! Er konnte den zweiten der Könige nicht ausstehen, und je früher er ihn beseitigte, desto besser, am liebsten auf eine besonders qualvolle Art und Weise.

Er bürstete sein kupfergoldenes, welliges Haar, das in einer schimmernden Kaskade bis zu seiner Taille herabfiel, bevor er es zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammenband. Zwei Strähnen ließ er absichtlich herausfallen, damit sie sein hübsches Gesicht einrahmten. Perfekt!

"Zoisite." Der telepathische Ruf von Königin Beryl konnte nicht ignoriert werden. Er seufzte, bevor er in den Audienzsaal teleportierte, wo er in einer seiner lange eingeübten Posen materialisierte.

Die majestätische, rothaarige Frau auf dem Thron schaute etwas pikiert drein, als ihr jüngster König gut anderthalb Meter hoch in der Luft schwebte, anstatt vor ihr zu knien, wie es sich geziemte. Zu seinem persönlichen Glück entschied er sich, sofort zu landen und sich vor ihr zur verbeugen.

"Zu Euren Diensten, meine Königin."

"War deiner Suche nach dem Silberkristall mittlerweile Erfolg beschieden, Zoisite?"

"Äh, nein, meine Königin. Noch nicht", gab Zoisite zerknirscht zu und studierte die frisch polierten Spitzen seiner Stiefel.

"Ich hoffe, du wirst deine Bemühungen verstärken", sagte Beryl drohend. "Du kennst die Strafe für Versagen."

"Ja, meine Königin", sagte Zoisite mit hinreichend unterwürfiger Miene, obwohl er innerlich kochte. Wie gerne würde er sie tot sehen! Nun, er würde schon einen Weg finden, dieses Ziel zu erreichen - irgendwie, irgendwann...

"Geh nun, Zoisite."

Der junge Mann teleportierte zu seinem Quartier zurück.

* * *

Als er materialisierte, wartete Kunzite bereits auf ihn. Zoisite warf ihm einen tödlichen Blick zu.

"Habe ich nicht einmal das Recht auf ein kleines bißchen Privatleben?" fauchte er.

"Ich dachte, du würdest dich niemals darüber beschweren", erwiderte Kunzite amüsiert. "Betrachte es als einen weiteren Teil deines Trainings, eine Möglichkeit zu finden, wie du unerwünschte Besucher aus deinen Räumen fernhalten kannst." - 'Obwohl ich die Gelegenheiten vermissen würde, ihn außerhalb des offiziellen Trainings zu treffen', dachte er.

"Ich hatte niemals Probleme, Youma und ähnliches aus meinen Räumlichkeiten fernzuhalten", grummelte Zoisite.

"Ich hoffe, du willst mich nicht mit einem gemeinen Youma vergleichen, kleine Ratte", tadelte Kunzite.

Zoisite errötete und schlug die Augen nieder. "Natürlich nicht, Lord Kunzite."

"So ist es besser." Er machte eine kurze Pause, bevor er das Thema wechselte. "Wie ist dein Treffen mit Königin Beryl verlaufen?"

Bei der Erwähnung von Beryls Namen flammte Zoisites Wut wieder auf. "Sie war verärgert, weil ich keine Resultate liefern konnte. Aber wie sollte ich nach dieser kurzen Zeit schon Ergebnisse vorweisen? Oh, wie ich sie hasse!" sprudelte es aus ihm hervor.

"Zoisite", warnte Kunzite, "es ist ein taktischer Fehler so etwas laut auszusprechen. Du solltest besser versuchen, deine Gefühle unter Kontrolle zu bringen." - 'Auch wenn ich zugeben muß, daß dieses lodernde Feuer eine willkommene Abwechslung von der kühlen Berechnung manch anderer Personen ist...'

"Ihr sagt das so einfach", schmollte Zoisite. "Euch bringt ja auch nichts aus der Ruhe!"

Kunzite musterte ihn schweigend, während er seine Gefühle niederrang. 'Wenn du wüßtest, kleine Ratte', dachte er. "Das ist alles ein Teil der Disziplin", sagte er laut, kühl und beherrscht wie eh und je.

Zoisite seufzte. Disziplin war definitiv nicht seine Stärke.

"Nun, da sind einige andere Dinge, die meiner Aufmerksamkeit bedürfen. In der Zwischenzeit solltest du weiter an deinem neuen Sicherheitssystem arbeiten."

"Wie Ihr befehlt, Lord Kunzite."

Der ältere König teleportierte davon. Er war froh darüber, daß Zoisite sicherlich nicht erkennen würde, daß es sich bei seinem Abgang beinahe um eine Flucht gehandelt hatte, damit er sich über all die verwirrenden Gefühle klarwerden konnte, die sein Student in ihm hervorrief.

Zoisite meditierte darüber, wo er beginnen sollte. Sicherlich, Beryls Aufgabe war wichtig, aber das Problem mit seinem Quartier erschien ihm vordringlicher. Es war eine Tatsache, daß es noch keinem Youma gelungen war, bei ihm einzubrechen, und außer Kunzite war keiner der anderen Könige ohne Erlaubnis bei ihm vorbeigekommen, aber das hieß noch lange nicht, daß sie es nicht konnten.

Der Gedanke, daß vielleicht Nephrite sich hinterrücks an ihn anschleichen könnte, war genug, um Zoisite mit ungewohntem Eifer zur Arbeit anzutreiben. Nach einigen Stunden erschöpfender Experimente mit verschiedenen Sorten magischer Schutzeinrichtungen war er davon überzeugt, etwas gefunden zu haben, das sogar Teleportsprünge abwehren sollte, die von einem höherrangigen Magiekundigen ausgeführt wurden.

Als er versuchte, durch die neue Barriere hindurchzuspringen, stieß er kraftvoll gegen die Energieströme und krachte auf den Boden nieder.

"Autsch!" stöhnte er und rieb sich sein schmerzendes Hinterteil. "Aber es sieht so aus, als ob ich es endlich geschafft hätte."

Er justierte den Schutzzauber neu, damit dieser alle seine Räume mit einbezog. Mittlerweile war es spät genug, daß er sich in sein Bett zurückziehen sollte, und wer wußte schon, vielleicht leiteten ihn ja seine Träume zum Silberkristall.

Als er zu einer ausgedehnten Dusche im Badezimmer verschwand, hoffte er nur, daß Beryl nicht gerade diesen Augenblick aussuchte, um ihn zu sich zu rufen. Allerdings hatte er diesmal Glück, und er konnte sich anschließend sogar ungestört ins Bett fallen lassen. Während er sich in die Kissen kuschelte, überlegte er, wo er die Suche mach diesem verdammten Kristall beginnen sollte, hinter dem Beryl so verzweifelt her war.

Vielleicht sollte er ein Tor zur Erde öffnen und sich dort ein wenig umsehen.; mit ein wenig Glück mochte er ja über einen Hinweis stolpern. Oder er könnte seinen Mentor fragen, ob dieser eine Idee hatte. Oder auch lieber nicht... Zoisite verwarf diese Idee, als ihm wieder einfiel, daß Beryl ihm die Aufgabe übertragen hatte, den Silberkristall zu finden - und wer wußte, ob man den nicht auf andere Art und Weise verwenden konnte als die Königin beabsichtigte.

Zoisite begann, ins Reich der Träume einzutauchen, und seine Gedanken drifteten in andere, angenehmere Richtungen, die meisten davon zu einem hochgewachsenen, silberhaarigen Mann mit kühlen, platinfarbenen Augen...

* * *

Er mußte überprüfen, ob Zoisite tatsächlich daran gearbeitet hatte, die Schutzeinrichtungen seines Quartiers zu verbessern. Zumindest war es das, was Kunzite sich einredete, als er in den Raum teleportierte, in dem er seinen Schüler mit einer telepathischen Sondierung ausgemacht hatte.

Interessanterweise ging sein Sprung beinahe schief, als er auf eine neue Barriere traf, die vorher nicht bestanden hatte. Glücklicherweise hatte Zoisite allerdings die Energiemenge zu gering berechnet, und so gelang es ihm dennoch, die Barriere zu passieren.

Er materialisierte in Zoisite's Schlafzimmer, welches zu dieser Zeit natürlich komplett in Finsternis lag. Da er den Schlaf seines Schülers nicht stören wollte, aktivierte Kunzite seine magischen Kräfte, die ihn befähigten, auch in völliger Dunkelheit so gut zu sehen wie am hellichten Tag.

Schweigend betrachtete er den hübschen jungen Mann, der in seine Kissen gekuschelt da lag und dessen langes, seidiges Haar in schimmernden Goldkupferlocken über die Bettdecke fiel. Ein leichtes Lächeln verzauberte Zoisites beinahe elfenhaften Züge und ließ sein explosives Temperament und seine mordlüsterne Niedertracht vergessen. Leicht bis mittelschwer geschockt stellte Kunzite fest, daß er sich in ihn verliebt hatte. 'Da geht mein Ruf dahin', dachte er ironisch.

Pic
of sleeping Zoisite by Stayka

Es war eine ganze Weile her, seit er eine/n Geliebte/n erwählt hatte, und seither hatte er niemanden mehr gefunden, der es wert war, daß er sein Bett oder mehr seiner Zeit mit ihm teilte. Schon bald hatte er den Spitznamen 'Eiskönig' bekommen, eine Bezeichnung, die er sehr amüsant fand, vor allem, weil sie auch zu seinem äußeren Erscheinungsbild paßte.

Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Zoisite und fragte sich, wie die kleine Ratte wohl auf diese Eröffnung reagieren würde. Vermutlich wäre es wohl das beste, erst einmal abzuwarten.

Kunzite überlegte einen Moment, lächelte und schuf mit einem Gedanken eine pinkfarbene Rose, die er neben Zoisite auf das Kissen legte - eine kleine Erinnerung für ihn, weiter an den Schutzeinrichtungen zu arbeiten...

* * *

Als Zoisite am nächsten Morgen erwachte, war er absolut perplex, als er eine Blume - eine Rose! - neben sich vorfand. Wo war die bloß hergekommen? Hm. Im Prinzip fiel ihm nur eine Person ein, die die Frechheit besaß, trotz der neuen Schutzzauber in sein Quartier zu teleportieren - aber warum sollte er eine Rose zurücklassen?! Bedeutete das vielleicht, was er dachte, daß es bedeutete?

Zoisite nahm die Blume und legte sie vorsichtig auf dem Tisch ab. In einer halben Stunde sollte er Kunzite auf dem Trainingsareal treffen, um seine Fähigkeiten bei energetischen Angriffen zu beweisen. Er war entschlossen, seinen Mentor gebührend zu beeindrucken.

Allerdings sollte er sich nun beeilen, sich ordentlich anzuziehen, dachte er hektisch und warf sich in seine Uniform. Es war wirklich bedauerlich, daß diese so langweilig grau war, aber der Modedesigner des Königreichs des Dunklen hatte offensichtlich nicht das geringste bißchen Geschmack. Wenigstens er, Zoisite, brachte ein wenig Farbe in die ansonsten so farblose Umgebung, wenn er seine magischen Attacken mit einem Wirbel blaßrosafarbener Kirschblütenblätter dekorierte.

Als er fertig war, desaktivierte er seine Schutzvorrichtungen für den Augenblick des Teleports und erschien auf dem Trainingsplatz. Kunzite wartete natürlich schon. Zoisite seufzte. Er sollte wirklich einmal versuchen, etwas früher aufzustehen, damit er genug Zeit hatte, sein Haar ordentlich zu bürsten und dennoch pünktlich zu erscheinen.

"Guten Morgen, Zoisite", sagte Kunzite mit einem leicht tadelnden Blick. "Hast du gut geschlafen?" fügte er leicht ironisch hinzu.

Zoisite errötete peinlich berührt und senkte den Blick. "Ich bitte um Entschuldigung, Lord Kunzite."

"Es scheint mir, als ob deine Schutzzauber noch ein wenig der Arbeit bedürfen." Der hochgewachsene Mann maß ihn mit einem gedankenvollen Blick aus seinen kühlen, silbrig grauen Augen.

"Ja, Lord Kunzite", erwiderte er unterwürfig. 'Da geht er hin, der gute Eindruck, den ich machen wollte', dachte er betrübt.

"Nun, wir sollten nicht noch mehr Zeit verschwenden. Zeig mir, wie gut du geübt hast, deine magischen Attacken auf ein bestimmtes Ziel zu richten."

Ein entschlossener Schimmer trat in Zoisites smaragdfarbene Augen, und er schaffte es, nicht ein einziges Ziel zu verfehlen. Kunzite lächelte insgeheim über den Eifer seines Schülers. Er war nur froh, daß er niemals das Opfer seiner Attacken werden konnte. Zoisite war gefährlich.

"Gut gemacht, kleine Ratte", sagte er anerkennend, und Zoisite errötete erneut, diesmal vor Stolz. Kunzite war versucht, sanft über die Wange seines Musterschülers zu streichen, aber irgendwie erschien ihm das auf dem Trainingsgelände dann doch wieder unpassend.

"Ich danke Euch, Lord Kunzite."

"Und nun solltest du dich wieder an dein anderes Projekt machen", empfahl er.

"Ich weiß, die magischen Schutzeinrichtungen", seufzte der jüngere Mann.

"Das ist richtig. Nun geh." Er gab ihm ein letztes anerkennendes Lächeln mit auf den Weg, und Zoisite verschwand in einem übermütigen Sturm von Kirschblütenblättern. Kunzite schüttelte amüsiert den Kopf.

* * *

Einige weitere Stunden angestrengter Bemühungen und Experimente ging vorbei, bis Zoisite sich ziemlich sicher war, daß er endlich sein Ziel erreicht hatte.

Als er jedoch am anderen Morgen erwachte und eine weitere pinkfarbene Rose neben seinem Kopfkissen fand, seufzte er. Soviel zu diesem Versuch. Aber er würde eine Möglichkeit finden, diese Aufgabe zufriedenstellend zu bewältigen. In Gedanken schwor er sich, daß er Kunzite stolz auf ihn machen würde.

Irgendwie war es seltsam, dachte er plötzlich, wie seine Absicht, Kunzite zu verführen und dazu zu benutzen, im Königreich des Dunklen voranzukommen, sich in den Wunsch verwandelt hatte, ihm tatsächlich zu gefallen. Zoisite runzelte die Stirn. Er war sich nicht so recht sicher, ob ihm diese Entwicklung gefiel.

Ende von Teil 3 - Auf zu Teil 4


Back to Dark Kingdom Home | Dark Kingdom Stories | Stayka's Site Index


Disclaimer: SailorMoon is the property of Takeuchi Naoko, Kodansha and Toei Animation. All characters, settings etc. are used without permission. This is an amateur fiction, and I definitely won't make any money of it.


This page belongs to Stayka's Dark Kingdom Home at http://www.dark-kingdom.de

© by Stayka deyAvemta - Email: zoisite@dark-kingdom.de

Valid XHTML 1.0! Valid CSS!