Schritt für Schritt

(Geschichten aus dem Königreich des Dunklen - Pt.4)

© 1997/09/07 by Stayka deyAvemta, übersetzt 1998/01/10


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Zoisite seufzte, als er die Augen öffnete und die nächste perfekte, pinkfarbene Rose neben sich auf dem Kopfkissen entdeckte. Seine Sammlung wuchs. Dies war die neunte Blume, die er erhalten hatte, und er wußte immer noch nicht, was er beim Design seiner Antiteleportvorrichtung falsch machte.

Er hatte den unbestimmten Eindruck, daß es Kunzite Spaß machte, ihm zu demonstrieren, daß dessen Fähigkeiten den seinigen weit überlegen waren. Zoisite atmete den süßen Duft der Rose ein und fragte sich erneut, ob es sich wirklich nur um eine Erinnerung für ihn handelte, weiter an den magischen Schutzvorrichtungen zu arbeiten, oder ob sein Mentor damit etwas anderes ausdrücken wollte, das er nicht in Worte fassen konnte.

Nicht daß er es nicht verstehen könnte, dachte Zoisite. Im Königreich des Dunklen betrachtete man Emotionen als Schwäche, als etwas, das leicht ausgenutzt werden konnte, um andere zu manipulieren. Jadeite war ein Meister in diesem Spiel; er hatte eine Gruppe von Youma an sich gebunden, die alles für ihn tun würden, wenn er es ihnen befahl.

Vor gar nicht allzulanger Zeit hätte er diesem Gedankengang zugestimmt, ohne noch einmal darüber nachzudenken, aber irgendwie hatte sich seine Haltung dazu langsam aber sicher verändert - zumindest, was Kunzite betraf.

Plötzlich bemerkte er, daß seine Philosophiererei länger gedauert hatte als er sich erlauben konnte, und er sprang auf. Warum nur mußten sich selbst die Könige des Dunklen Königreiches an solche peinlich genauen Terminpläne halten, überlegte er schmollig. Aber er wollte Kunzite nicht warten lassen, und so gelang es ihm, sich in rekordverdächtiger Zeit fertigzumachen. Wenn er richtig informiert war, sollte er heute mit magischen Waffen arbeiten.

Als er zur verabredeten Zeit im Magieforschungslabor materialisierte, war sein Mentor bereits da - ganz wie üblich. Zoisite seufzte.

Ob der Mann jemals schlief? Wahrscheinlich nicht, vermutete er, insbesondere, wenn er an die Sache mit seinen magischen Schutzeinrichtungen dachte. Irgendwie gelang es Kunzite immer wieder, seine Besuche so geschickt zu legen, daß er, Zoisite, bereits im schönsten Schlummer lag. Die eine Nacht, als er beschlossen hatte, wachzubleiben, um ihn zu überraschen, war die einzige, an der er in Ruhe gelassen wurde. Dummerweise war er den ganzen folgenden Tag todmüde, und Kunzite hatte einige besonders anstrengende Waffenübungen auf den Plan gesetzt. Es war unfair.

"Ah, Zoisite. Du bist tatsächlich einmal pünktlich erschienen. Ich muß dich loben." In Kunzites platinfarbene Augen war ein belustigtes Funkeln getreten, und Zoisite fand es höchst faszinierend, daß dieser sonst so kühle Blick ausnahmsweise einmal regelrecht warm erschien.

"Ich danke Euch, Lord Kunzite", brachte er schließlich hervor.

"Es gibt eine kleine Änderung unserer Pläne", kündigte Kunzite an. "Heute sollen wir Nachforschungen auf der Erde anstellen. Königin Beryl möchte wissen, wo wir am besten ein dauerhaftes Tor errichten können. Zudem sollen wir ermitteln, welche Gebiete am besten dazu geeignet sind, größere Mengen an Energie zum Erwecken unseres großen Herrschers zu finden."

"Heißt das, daß wir wirklich die Erde besuchen werden?" fragte Zoisite eifrig.

"Das ist korrekt. Wir werden Nachforschungen anstellen, wie die Energiepotentiale über die einzelnen Kontinente verteilt sind."

"Wie?"

"Nun, du hast ja bewiesen, daß du in der Lage dazu bist, dekorativ herumzuschweben", Kunzite grinste seinen Schüler an, der dezent errötete, "also werden wir Tore an verschiedenen Punkten über den Landmassen öffnen und die Menge der verfügbaren Energie messen. Die erfolgversprechendsten Gebiete werden später von speziell dafür ausgewählten Youma abgeerntet."

"Wann fangen wir an?"

"Jetzt sofort - das heißt, wenn du keine anderweitigen Pläne hast..."

"Natürlich nicht." Zoisite schnitt eine Grimasse.

"Dann laß uns gehen." Kunzite bewegte seine Hand, und ein Tor aus schimmernder, schwarzer Energie baute sich vor ihnen auf. Als sie hindurchgetreten waren, schwebten sie in der Luft, etwa drei Kilometer über dem Landstrich, der den Einwohnern des Planeten als 'Naher Osten' geläufig war. Kunzite baute ein kugelförmiges Energiefeld rund um sie herum auf, das sie vor der Umgebung und etwaigen Angriffen schützen sollte.

"Meint Ihr nicht auch, daß das Gebiet dort unten ziemlich trostlos aussieht?" fragte Zoisite.

"Allerdings. Andererseits kann ich eine ganze Menge destruktiver Energie in dieser Gegend spüren."

Sie schwebten über einer unfruchtbaren Landschaft, als plötzlich zwei Kampfflugzeuge erschienen und sogleich begannen, sie zu beschießen. Zoisite starrte pikiert auf die Flieger.

"Was erlauben die sich?" empörte er sich und eröffnete eine Energieattacke auf die Jäger, die verdächtig nach einem kleinen Wirbelsturm aus rosafarbenen Kirschblütenblättern aussah. Sofort kamen die Flugzeuge ins Trudeln und stürzten ab. Zoisite sah befriedigt auf die rauchenden Trümmer herab.

"Ich würde sagen, die Menge der destruktiven Energie hat sich vergrößert", bemerkte Kunzite trocken.

"Ups." Zoisite tat es nicht im Geringsten leid. "Ich glaube nicht, daß diese Region zu denen gehört, die Königin Beryl für ihr Vorhaben im Sinn hatte."

"Vermutlich nicht. Laß uns ein weiteres Tor zum nächsten Gebiet öffnen."

Sie teleportierten zu den weiteren Zielorten. Nur einmal mehr wurden sie von Kampfflugzeugen angegriffen, aber Zoisite kümmerte sich erneut um das Problem. Er bekam nicht mit, daß er damit eine mittelgroße UFO-Hysterie erzeugte und sich Gerüchte um eine außerirdische Invasion verbreiteten. Ausnahmsweise lagen die Ängste der Menschen diesmal gar nicht so weit von der Realität entfernt.

Als sie zum Königreich des Dunklen zurückkehrten, wartete Königin Beryl schon in ihrem Audienzsaal auf sie.

"Erstattet mir Bericht", befahl sie. Die beiden Könige verbeugten sich vor ihr, und Kunzite gab eine kurze Zusammenfassung ihrer Erkenntnisse.

"Es sind drei Regionen von größerem Interesse", erklärte er und zeigte die Bereiche auf einer rasch projizierten holographischen Karte der Erde. "Nordamerika, Europa und Westasien. Ich empfehle, daß wir unsere Bemühungen auf diese Gebiete konzentrieren."

Er gab ihr einige spezifischere Informationen über die Energiearten, die sie lokalisiert hatten und deren Verteilung. Beryl hörte aufmerksam zu und trommelte mit ihren Fingern auf dem großen Kristallball herum, der auf einem Ständer vor ihr schwebte. Endlich beendete Kunzite seinen Bericht. "Die Sache mit dem dauerhaften Tor bedarf noch einiger weiterer Untersuchungen", schloß er.

"Sehr gut", sinnierte sie. "Ich werde die vielversprechendsten Vorgehensweisen in der nächsten Zeit überdenken. Geht nun." Sie machte eine entlassende Handbewegung, und die beiden Könige verschwanden per Teleport.

* * *

Sie materialisierten im Magieforschungslabor.

"Wir lassen das Training für heute ausfallen", kündigte Kunzite an. Er war müde und wollte ein wenig ausruhen. So viele Tore zu öffnen, die über derart große Distanzen reichten, ging auch an seine Reserven.

"Prima!" strahlte Zoisite.

"Ich würde dennoch vorschlagen, daß du ein wenig alleine lernst. Du solltest es vielleicht auch einmal mit Meditation versuchen, um dein Temperament etwas im Zaum zu halten." Er unterdrückte ein Gähnen.

"Ja, Lord Kunzite", seufzte der junge Mann.

"Gute Nacht, kleine Ratte." Kunzite teleportierte in sein Quartier, und Zoisite starrte auf den leeren Platz, wo sein Mentor gerade noch gestanden hatte.

'Gute Nacht'?! Normalerweise befahl er ihm einfach zu gehen. Nun, vermutlich war er zu müde, um die korrekte Form zu wahren, aber es hatte definitiv seltsam geklungen, fast schon liebevoll. Zoisite schüttelte den Kopf. Oder es war einfach nur eine Einbildung gewesen...

Auch Zoisite teleportierte in sein Quartier. Er hatte ein paar Bücher zum Thema 'magische Schutzvorrichtungen' ausgegraben und wollte diese durchblättern. Es mußte etwas darin stehen.

Er zog seine Stiefel aus und warf sich auf sein Bett, wo er den ersten der dicken Bände aufschlug. Er stützte seinen Kopf mit dem Ellbogen auf und überflog den Text. Warum mußten diese Typen nur in so einem gestelzten Stil schreiben, dachte er genervt.

Witzig, eine der antiken Schwarten war sogar von einem 'Magiermeister Kunzite' geschrieben. Ob der wohl mit seinem Mentor verwandt war?

Zoisite war erst ein paar Kapitel im ersten Buch, als er einen interessanten Hinweis fand, der ein Energiemuster vorschlug, das er bis jetzt noch nicht ausprobiert hatte. Seine Augen leuchteten auf, und er lächelte triumphierend. Das müßte es wirklich tun!

Sofort begann er, die Schutzzauber in die neue Konfiguration zu bringen. Dieses Mal schimmerten die Energieströme seltsam schwarz und nicht unsichtbar wie sonst üblich. Naja, so lange es funktionierte, sollte die Farbe keinen Unterschied machen.

* * *

Kunzite kämpfte eine Weile mit sich, ob er besser sofort schlafen oder lieber vorher Zoisite den üblichen Besuch abstatten sollte. Immerhin war er müde. Andererseits würde es seine Stimmung erheblich heben, wenn er wieder bei dem jungen Mann vorbeischaute, vor allem, wenn dieser friedlich schlief und so besonders hinreißend aussah.

Der Gedanke an Zoisite kürzte seinen Entscheidungsprozeß ungemein ab. Natürlich würde er gehen. Er wartete noch etwas, bis eine psychische Sondierung ihm bestätigte, daß sein Schüler zu schlafen schien und er unbemerkt zu ihm hin teleportieren konnte.

Seltsam, dachte er. Die Schutzzauber waren verändert worden. Eigentlich war es nicht schwieriger, hindurchzuspringen - aber sie fühlten sich auf jeden Fall anders an. Er würde es später analysieren, beschloß er. Im Augenblick war er zufrieden damit, die hübschen Züge Zoisites zu betrachten.

Geraume Zeit später, als es ihm endlich gelang, den Blick vom Objekt seines Verlangens loszureißen, schuf er mit einem Gedanken die übliche pinkfarbene Rose und teleportierte davon. Als er völlig unerwartet gegen eine immaterielle Barriere stieß und zu Boden geschleudert wurde, schaute er völlig schockiert drein.

Was war das? Er versuchte einen weiteren Sprung, aber das Resultat war das gleiche. Gefangen! Fieberhaft suchte er nach einem Weg, durch die Barriere zu kommen, doch er konnte keine schwache Stelle finden. Dummerweise lag auch die Tür ein wenig hinter dem Schutzzauber, also konnte er nicht einmal mehr die klassische Methode zum Verlassen der Räumlichkeiten benutzen. Das war mehr als peinlich!

Kunzite wanderte auf und ab, während er sich bemühte, einen Fluchtweg zu finden. Er fragte sich, ob Zoisite das mit Absicht getan hatte, um sich an ihm zu rächen und ihn in eine möglichst peinliche Situation zu bringen. Wenn dies tatsächlich der Fall war, handelte es sich dabei um einem ziemlich klugen Schachzug.

Dummerweise half ihm das nicht im geringsten bei der Antwort auf die Frage, wie er aus diesem Quartier wieder herauskommen konnte. Gute Arbeit, dachte er. Hier war er, der Mächtigste der Vier des Königreichs des Dunklen, und er kam nicht an einer einfachen Antiteleportvorrichtung vorbei. Es hätte ihm ja nichts ausgemacht, wenn er sich auf der anderen Seite davon befunden hätte - dann hätte er behaupten können, daß er wichtigere Dinge zu erledigen hatte und später immer noch einem Weg darum herum finden können - aber darin festzusitzen war...einfach dämlich.

Wenn er nur nicht so müde wäre... Kunzite rieb sich seine Schläfen. Er konnte einfach nicht klar genug denken, um die Energieströme des Zaubers zu analysieren. Er beschloß, in Zoisites Schlafzimmer zurückzugehen. Wenn er schon hier gefangen war, konnte er wenigstens die Aussicht genießen.

Während er nachdenklich seinen Blick über Zoisite schweifen ließ, bemerkte er, daß ein dickes Buch neben diesem auf dem Bett lag. Dem Titel nach war es etwas über Schutzzauber, und Kunzite spürte, wie Hoffnung in ihm aufstieg. Vielleicht enthielt dieses Buch den Schlüssel zu seiner Flucht! Lautlos trat er an Zoisites Lagerstatt und beugte sich über den jungen Mann, um das Buch an sich zu nehmen.

* * *

Zoisite erwachte, als er das unbestimmte Gefühl verspürte, daß irgendetwas oder -jemand sich in seiner Nähe bewegte. Er öffnete die Augen einen Spalt und war sich nun sicher, daß eine fremde Person im Raum war. Um genau zu sein, war der Eindringling nicht nur im Zimmer, er war sogar über ihn gebeugt. Ohne weiter nachzudenken, griff Zoisite ihn mit seiner unverwechselbaren Kirschblütenattacke an - und fiel unerwartet selbst bewußtlos um.

Es dauerte einige Augenblicke, bis er wieder zu sich kam, und er fühlte sich wie einmal durch den Wolf gedreht. Was war nur geschehen? Er aktivierte die Beleuchtung und stellte fest, daß er Kunzite getroffen hatte, der wie tot auf dem Boden lag. Kein Wunder, daß er den Rückschlag durch diesen verdammten, an seine Lebensenergie gebundenen, Schwur abbekommen hatte. Zoisite fragte sich nur, warum es ihn erwischt hatte, obwohl er gar nicht gewußt hatte, wen er attackierte. Nun, vermutlich war das der Grund, warum es ihm nicht schlimmer ging.

Zoisite holte einmal tief Atem und stand auf. Er fühlte sich immer noch leicht benommen und schwach, aber er wollte nachsehen, wie es Kunzite ging. Offenbar hatte er ihn völlig überrascht, sonst hätte er doch in der Lage sein müssen, den Angriff zumindest größtenteils abzuwehren. Er ging zu seinem immer noch reglosen Mentor und ließ sich auf einem Knie neben ihm nieder.

"Kunzite!" rief Zoisite besorgt. Er würde es sich niemals vergeben, wenn er ihn ernsthaft verletzt hätte. Vorsichtig strich er einige Strähnen von Kunzites langem silberweißen Haar zur Seite, die ihm ins Gesicht gefallen waren. Er war noch am Leben, soviel war offensichtlich, aber er war noch nicht wieder zu Bewußtsein gekommen. "Bitte, wacht auf", sagte er eindringlich. Als Zoisite sanft über seine Wange strich, öffnete Kunzite die Lider und sah in zwei sorgenvolle Smaragdaugen.

"Zoisite?" Er hatte den Eindruck, als ob ihn ein besonders großer und gemeiner Youma in die Mangel genommen hatte. "Ich vermute, das war wohl fällig", ächzte er.

"Es tut mir leid", entschuldigte sich Zoisite zerknirscht.

Kunzite legte die Stirn in Falten. War das wirklich derselbe Zoisite, der noch letztlich versucht hatte, ihn auf heimtückische Art und Weise vom Leben zum Tode zu befördern? "Keine Sorge, ich bin schon wieder in Ordnung", erklärte er. Er richtete sich ein wenig mühsam auf und rieb sich die Schläfen, als Zoisite unerwartet die Arme um ihn schlang.

"Ich wollte Euch wirklich nicht verletzen!"

Etwas verspätet wurde es Kunzite auf einmal klar, daß Zoisite sich anscheinend etwas mehr um ihn sorgte, als es den Umständen angemessen war, und so beschloß er, einen Versuch zu wagen und küßte den jungen Mann sanft auf die Lippen. Zoisite sah ihn zunächst erstaunt und dann entzückt an, ehe er den Kuß mit unvermuteter Hingabe erwiderte. Kunzite genoß jede einzelne Sekunde, bevor sie etwas Atem schöpfen mußten.

"Ich weiß nicht, wie du es siehst, aber ich halte den kalten Steinboden für etwas unbequem", meinte er trocken. Zoisite errötete, bevor er ihm auf die Füße half.

Lächelnd schloß Kunzite ihn in die Arme. "Ich habe mich in dich verliebt, meine kleine Ratte", sprach er endlich aus, was er bislang nur zu denken gewagt hatte.

"Wirklich?" fragte Zoisite atemlos. "Naja, ich auch irgendwie..." Er legte seinen Kopf an Kunzites Schulter und konnte sein Glück gar nicht so recht fassen. "Und Ihr seid wirklich nicht mehr böse, auch wenn ich zuerst versucht habe, Euch zu töten?"

Kunzite lachte leise. "Dein Temperament macht dich nur noch anziehender."

"Möchtet Ihr... heute nacht bei mir bleiben?" fragte Zoisite beinahe ein wenig schüchtern.

"Mit dem größten Vergnügen", erwiderte Kunzite und vergrub sein Gesicht in Zoisites goldkupfernem Haar. Er konnte schließlich immer noch nicht durch die Barriere teleportieren, und dies war ein unerwartet angenehmer Weg, sein Gesicht zu wahren.

Mühelos hob er die zierliche Gestalt auf seine Arme und legte sie auf dem Bett ab, ehe er sich seiner Uniform entledigte und Zoisite in den dunkelgrünen Laken Gesellschaft leistete.

* * *

Als Zoisite am nächsten Morgen erwachte und den starken Arm spürte, der besitzergreifend um seine Mitte geschlungen war, lächelte er zufrieden und drehte sich um, um seinen Gefährten anzuschauen, der bereits erwacht war.

"Guten Morgen, meine kleine Ratte", sagte Kunzite zärtlich und küßte ihn.

"Hallo..." Zoisite bedachte ihn mit einem wahrhaft glückseligen Lächeln. Dann kam ihm ein Gedanke, und er beschloß, daß vielleicht hier und jetzt ein passender Zeitpunkt war, das Thema anzuschneiden. "Kunzite", begann er nachdenklich, während er abwesend mit dem Zeigefinger Figuren auf die Brust seines Geliebten malte. "Wirst du mich von dem Schwur entbinden?"

Der silberhaarige Mann seufzte, ehe er Zoisite anlächelte und den Kopf schüttelte. "Vielleicht kann ich deiner Liebe vertrauen, aber ich vertraue bestimmt nicht deinem Temperament. Ich kann es regelrecht vor mir sehen - aus irgendeinem Grund wirst du dich über mich ärgern, dann rammst du mir in einem Wutanfall einen deiner Eiskristalle ins Herz, und nachher würde es dir ausgesprochen leid tun, aber ich wäre trotzdem tot. Nein, danke."

"Aber ich würde niemals..." protestierte Zoisite.

"Oh doch, du würdest es tun, kleine Ratte, ganz bestimmt." Kunzite zog ihn näher an sich heran und küßte ihn. "Ich wäre niemals so weit gekommen, wenn ich nicht in der Lage wäre, Leute richtig einzuschätzen, und du bist bei weitem die gefährlichste Person hier im Königreich des Dunklen - außer Königin Beryl und mir natürlich."

Zoisite schaute nachdenklich drein. "Was meinst du - wenn wir zusammenarbeiteten, wären wir dann in der Lage, unsere geliebte Königin loszuwerden?"

Sein beiläufiger Tonfall machte Kunzite für einen Augenblick sprachlos, dann begann er, leise zu lachen. "Du würdest es vermutlich sogar alleine schaffen." Er spielte mit einer Strähne von Zoisites langem kupfergoldenen Haar. "Ich muß allerdings zugeben, daß auch ich an einem Plan arbeite, sie vom Thron zu entfernen. Unglücklicherweise hat sich jedoch noch keine sichere Gelegenheit zum Angriff ergeben."

"Das ist schade. Ich würde sie zu gerne tot sehen."

"Ich auch - aber es bringt nichts, wenn es einem gelingt, sie umzubringen, wenn man dann selbst postwendend von den Wächtern oder anderen Leuten getötet wird, die meinen, daß sie ein größeres Anrecht auf den Thron haben."

"Das heißt, du meinst, wir sollten zunächst Jadeite und Nephrite loswerden?"

"Du liest meine Gedanken", lächelte Kunzite. Zoisite schmollte.

"Das heißt aber, du hättest mich auch getötet, wenn du deinen Umsturz in die Wege geleitet hättest, wenn ich nicht diesen dämlichen Schwur geleistet hätte?"

"Natürlich. Ich brauche keine Rivalen im Kampf um die Macht. Obwohl es eine fürchterliche Verschwendung gewesen wäre, dich zu elimieren - und ich muß zugeben, so gefällt es mir erheblich besser." Er streichelte sanft über Zoisites Wange und die Seite seines Halses, und Zoisite machte eine geistige Notiz, Kunzite niemals zu unterschätzen. Sein ruhiges und zurückhaltendes Auftreten ließen einen leicht vergessen, daß er seinen Rang im Königreich des Dunklen nicht seinem Aussehen oder seiner verständnisvollen Art zu verdanken hatte. Andererseits machte das ihre Beziehung nur umso interessanter.

Zoisite kuschelte sich an Kunzite und wunderte sich erneut, warum er sich trotzdem absolut sicher in dessen Armen fühlte.

"So sehr ich es auch genießen würde, noch etwas hier bei dir zu bleiben, ich glaube, wir sollten uns dennoch wieder unseren Pflichten zuwenden", sagte Kunzite nach einer Weile.

Zoisite seufzte. "Nun, du hast das Kommando..."

Kunzite grinste. "Irgendwie glaube ich nicht, daß Beryl die Idee gefiele, wenn zwei ihrer Könige einen längeren Urlaub nähmen, um sich umeinander zu kümmern, anstatt um die Aufgabe, Energie auf der Erde zu sammeln..."

"Hm, und wenn wir ihr erzählten, daß wir den Job auf der Erde erledigen und währenddessen dort Urlaub machen?"

"Du bist ganz schön vergnügungssüchtig." Kunzite streichelte Zoisites Rücken.

"Du hast mich durchschaut", schnurrte dieser.

"Das war jetzt auch wirklich nicht schwer", stellte Kunzite fest. "Aber laß uns nun aufstehen."

Widerstrebend erhob Zoisite sich und betrachtete Kunzite, wie dieser aus dem Bett kletterte und seine Uniform vom Boden aufsammelte. Der ältere König bewegte sich mit einer katzenhaften Eleganz, und sein herrliches Silberhaar schimmerte wie eingefangenes Sternenlicht, auch wenn es ausnahmsweise einmal etwas zerzaust wirkte.

Nun, seine Haare waren weitaus mehr durcheinander, stellte er fest, als er mit den Fingern hindurchfuhr und etwa auf halber Strecke steckenblieb. Es würde Stunden dauern, das wieder auszukämmen! Er holte eine Bürste aus einer Schublade und begann, die schlimmsten Knoten damit zu attackieren.

Kunzite beobachtete seine Anstrengung. "Kein Wunder, daß du andauernd zu spät kommst", kommentierte er belustigt. "Aber ich bewundere jeden einzelnen Zentimeter deiner herrlichen Haare."

"Das habe ich bemerkt." Wenn Kunzite nicht ausprobiert hätte, wie viele verschiedene Sorten von Knoten er hineinarbeiten könnte, dann wäre es jetzt sicherlich nicht in einem so verfitzen Zustand.

"Da fällt mir gerade etwas ein, Zoisite - würde es dir etwas ausmachen, mir dieses Buch auszuleihen?" Er deutete auf den dicken Wälzer über Schutzzauber, der heruntergefallen war, als Zoisite ihn gestern zu Boden gestreckt hatte.

"Klar - aber warum? Ich dachte, du wüßtest alles über Schutzzauber..." Als Zoisite zu ihm aufsah, bemerkte er, daß Kunzites Wangen dezent rot verfärbt waren. "Kunzite?"

"Ähm, nun, also..." begann er, und Zoisite fing zu kichern an.

"Sag mir, wenn ich falsch liege, aber ist es mir diesmal tatsächlich gelungen, eine funktionierende Barriere zu errichten?" Das war es also, warum der Schutzzauber anders ausgesehen und sich so seltsam angefühlt hatte, als er ihn aktiviert hatte - er hatte die falsche Seite nach außen gerichtet!

"Ja", gab Kunzite peinlich berührt zu. "Du hast mich damit ziemlich überrascht... Aber warum ich das Buch brauche - ich glaube, ich kann diese Barriere modifizieren und dazu benutzen, Feinde einzusperren. Ich brauche nur ein paar kleinere Änderungen vorzunehmen, und es sollte bestens funktionieren."

Er machte eine kurze Pause. "Ähm, Zoisite, würdest du bitte die Barriere auflösen? Ich möchte gerne in mein Haus zurückspringen. Weißt du, ich hatte nicht vor, über Nacht zu bleiben, sonst hätte ich mir einen Satz Kleidung zum Wechseln mitgebracht..."

Zoisite lächelte ihn frech an, ehe er den Schutzzauber auflöste.

"Ich sehe dich in einer Stunde im Labor, kleine Ratte." Kunzite verschwand in einem blauen Energieblitz.

Zoisite starrte eine Weile auf den leeren Fleck und konnte es immer noch nicht fassen, daß Kunzite ihn tatsächlich liebte. Aber das war auch keine Entschuldigung, wieder zu spät zu kommen, ermahnte er sich, und er fuhr mit erneutem Eifer fort, die Knoten aus seinen Haaren zu bürsten.

Das Ende des ersten Zyklus der
Geschichten aus dem Königreich des Dunklen


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