Für die Göttin leben

...und eventuell auch sterben

Act II -- Nummer 1

© 2000 by Sunwind

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Rückblick:

Das erste Treffen aller Saints nach dem Kampf gegen Hades vor sechs Jahren fand in Sanctuary unter der Leitung Saori Kidos statt. Doch die Präsentation des neuen Kyokous, Andromeda Shun, wurde von einem unbekannten Jugendlichen gestört, der sich als Wolf Bronze Saint Nachis Ziehsohn ausgab. Nachis abgeschlagener Kopf war das erste Zeichen für erneutes Blutvergießen in Sanctuary nach nur einer kurzen Zeit des scheinbaren Friedens...


"Was willst du uns mit diesem Mord mitteilen?" fragte Saori, die sich bereits nach kurzer Zeit von ihrem Schock erholt hatte. "Könntest du uns das nach dieser Vorstellung nun sagen?"

"Ihr wisst genauso gut wie ich, dass ich nicht der Mörder meines Ziehvaters bin", antwortete Aisas, um dem sich nun fast unbemerkt ein Halbkreis von Bronze und Silver Saints gebildet hatte. Kühn schaute er aber nur zu Saori: "Ich klage Euch an! Euch, die falsche Göttin der Weisheit und des Friedens, die angeblich das Gute auf Erden vertreten soll! Euch, die seit Abertausenden von Jahren das angeblich wertlose Leben der Saints ausnutzt! Und Euch, die mein Vater auf hinterlistigste Weise getötet hat!"

So viele Anklagen auf einmal hatte sich Saori Kido noch nie in ihrem bisherigen Leben anhören müssen. Ihre Augen starrten Aisas voller Zorn an, und man konnte spüren, wie sie ihr aufloderndes Cosmo zu unterdrücken versuchte.

"Saori-san" Shun sprach nun, der ansonsten in solchen Situationen für gewöhnlich im Hintergrund blieb. "Ich finde, dass du dir das Gerede von diesem Jungen nicht weiter anhören musst. Schick ihn doch raus!"

War das wirklich Shun, der da redete? Ikki wunderte sich sehr, nein, er war sogar entsetzt, dass sein Bruder sich so verändert hatte. Die Göttin zu duzen, und ihr dabei noch Ratschläge zu erteilen, die sich wie Halbbefehle anhören. War das wirklich Shun?

"Ich lasse ihn ausreden", gewährte Saori Aisas.

"Nun gut. Ihr solltet wissen, dass einige Euerer Saints beschlossen haben, die Tyrannei der Athena über uns zu stürzen. Wir sehen keinen Grund, warum wir unser Herz und Blut auf dem Altar einer Göttin wie Euch opfern sollten. Daher schließt euch uns an, Brüder!" Nun sprach Aisas in die Menge der Saints, "Unterstützt uns bei unserem Unterfangen gegen die despotische Herrschaft der blutgierigen Göttin!"

"Ich hoffe, deine Rede ist nun beendet!" unterbrach Saori, scheinbar noch immer ruhig, obwohl es in ihr geradezu kochte. "Wer sind deine Hintermänner?"

"Ihr wisst es, ich sage es daher nicht." gab Aisas mit einem listigen Grinsen zurück.

Zur gleichen Zeit hörten alle eine gewaltige Explosion unweit des Audienzsaals. Der Boden bebte und Steine fielen von der Decke der Eingangshalle.

"Der Sagittarius Tempel!" rief irgendeiner aus der Menge.

Der Sagittarius Tempel, der neunte der Zodiac-Tempel, war das erste, was die Graude Foundation vor sechs Jahren in Sanctuary wieder aufgebaut hatte. Zurzeit war das Sagittarius Cloth nach Aiolos Tod vor über 20 Jahren vakant.

Nur Saori und Shun wussten, was sich unter dem Boden des Tempels befand.

Nun lachte Aisas. Er lachte so laut, dass auf Saoris entsetztem Gesicht mehr und mehr Zorn zum Vorschein kam.

"Meine Aufgabe ist nun erledigt", sagte Aisas nach dem Lachen. "Wie Ihr es ja sehen und hören konntet, war die Ablenkung geradezu perfekt. Dann werde ich mich jetzt verabschieden, wenn Ihr gestattet. Ihr kennt ja unsere Forderungen."

"Nein, ich gestatte dies nicht! Du glaubst doch nicht, dass du lebend hier heraus kommst?" Saoris Augen schrien förmlich nach dem Wort "töten". "Unicorn Jabu! Hydra Ichi! Haltet ihn auf!"

"So leicht wird das nicht sein", grinste Aisas. "Habt ihr noch nie was von Teleportation gehört?"

Sein Körper verschwand langsam in einem weißen Sog aus Licht, noch ehe die beiden Saints ihm gefährlich werden konnten.

"Ehe ich es vergesse: Noch ein kleines Abschiedsgeschenk!" rief Aisas und streckte seine rechte Hand, bevor er vollständig im Lichtsog verschwand. Zeige- und Mittelfinger leuchteten rot auf, bevor ein rubinfarbiger Strahl nur Zentimenter von seinem Kopf entfernt an Ni vorbeizog und dabei seine Haare aufwirbelte.

"Schwein gehabt", kommentierte Ikki grinsend neben seinen Schüler, der nach einer kurzen Zeit des Schocks nur Aisas Verschwinden feststellen konnte.

Doch hinter Ni kam es zum panischen Tumult, aus dem ein von Angst und Verzweiflung erfüllter Schrei hervordrang.

Es war Fornax Mbega, auch wenn der Strahl ihn nicht erwischt hatte.

Piscis Austrinus Fréderic lag in seinen Armen, die Augen weit aufgerissen, als wollten sie fragen, warum Aisas ihn und nicht einen anderen im Saal getroffen hatte. Auf der linken Seite der hellgrünen Brustpanzerung seines Clothes strömte aus einem zentimetergroßen Loch unaufhaltsam Blut heraus.

"Scheiße! Junge, du darfst nicht sterben! Hörst du, Fréderic? Halte durch, du wirst es schon schaffen! Holt verdammt noch mal einen Arzt, einen Arzt!!!"

"Mbega..." flüsterte Fréderic.

"Du darfst jetzt nicht reden. Im Krankenhaus hast du..."

"Lass dich nicht einfach so abschlachten wie ich mich!"

"Fréderic!" Mbega spürte, wie die Lebensenergie seines Mitschülers langsam aus ihm wich. Der Blutstrom war zwar immer noch nicht gestoppt, hatte sich aber bereits deutlich vermindert. Doch Fréderics Augen waren immer noch weit offen, auf Mbega gerichtet.

Tränen quollen aus den Augenwinkeln des Fornax Saints.

"Er ist tot", sagte Ni, der jetzt vor Mbega stand. "Bringen wir ihn auf den Friedhof."

Der Friedhof von Sanctuary befand sich unterhalb des Hügels hinter dem Aries Tempel.

"Fréderic ist nicht tot!" plötzlich brüllte Mbega wie ein kleines Kind, das gerade etwas wichtiges verloren hatte. "Er ist nicht tot! Er kann so gar nicht sterben!"

"Mbega!" Die Stimme kam von Unicorn Jabu. "Willst du uns etwa in der Öffentlichkeit blamieren?"

Entsetzt schrak der Junge auf.

"Fréderic war ein unfähiger Krieger, der nicht kämpfen und überleben konnte. Daher ist er früher als alle anderen getötet worden. Wenn du verhindern willst, dass dir das ebenfalls passiert, dann versuche dein Cosmo zu stärken, was du eigentlich schon gelernt haben müßtest"

"Ja...jawohl, Meister", sagte Mbega voller Ehrfurcht und stand mit Fréderics zierlichem Körper in den Armen auf. Doch Ni und Ikki bemerkten, dass noch etwas in seinen Augen, die Unterwürfigkeit durch die halb geschlossenen Lider zeigten, trüb und unscheinbar funkelte. Dieses Licht! Ni wusste nichts darüber, doch Ikki kannte dieses Licht. Er hatte es sogar schon mal selbst gespürt. Vor über sechs Jahren auf Death Queen Island...

* * *

"Er ist ein Mädchen???"

"Pssst! Was schreist du hier rum? Das weiß keiner außer dir und mir. Und das bleibt auch unter uns, klar?"

"Aber, warum..."

"Keine weitere Fragen. Wir sollten jetzt wieder zurückgehen. Sonst schöpfen sie noch Verdacht!"

Die Abendsonne verbrannte die letzten Überreste der Wolkenherde über dem Friedhof von Sanctuary.

* * *

"Es wird langsam gefährlich hier. Ich finde, du solltest lieber zurück nach Tokyo fliegen." sagte Shun, der vor dem großen Glasfenster in Athenas Zimmer in Sanctuary stand. Die Versammlung der Saints war bereits zu Ende gegangen. Trotz Aisas' unerwartetem Erscheinen konnte die Präsentation des neuen Kyokous, Andromeda Shun, ungestört zu Ende geführt werden.

"Ja. Ich glaube, dass das in dieser Situation doch das beste ist." Nun sprach Cygnus Hyoga, der sich ein paar Stunden zuvor bei Aisas' Eintreffen ungewohnt zurückgehalten hatte. Lässig saß er auf dem Couch und hatte einen Cocktail in seiner Hand. "Sanctuary ist nun unter Shuns Leitung in guten Händen." Er grinste in die Richtung des Andromeda Saints. "Aber die Frage ist, warum er heute nicht gekommen ist. Vielleicht ahnt er etwas, was nicht gerade vorteilhaft für uns wäre."

"Was machen die übrigen Saints?" Endlich öffnete auch Saori ihren Mund. Hyoga war jedoch sichtlich enttäuscht, dass sie ein anderes Thema ansprach.

"Sie sind in ihren Quatieren unterhalb des Zodiac Berges. Jetzt dürften sie alle schlafen." antwortete Shun, der einen misstrauischen Blick durch den Fenster nach unten in Richtung Aries Tempel warf. "Der Vorfall mit Aisas lässt sich noch leicht mit dem Verrat von einigen Abtrünnigen erklären. Aber um nochmal auf Hyoga zurückzukommen. Er ist nicht die einzige Gefahr für uns. Ich befürchte, dass Ni-san langsam auch was merkt! Wenn er sich mit ihm zusammenschließt, gäbe es ein ziemlich großes Problem für uns."

"Ikki sollte was merken? Ich glaube du machst dir zu viele Sorgen", lachte Hyoga. "Er ist doch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt! Nein, von Ikki dürfte wirklich keine Bedrohung ausgehen!" Er nahm einen Schluck von seinem Cocktail. "Nun, Saori-san, was habt Ihr nun vor? Ihr könnt Sanctuary getrost Shun überlassen."

"Ich glaube ihr habt recht. Tatsumi!" rief Saori nach ihrem Butler, der draußen vor der Tür stand. "Verständige den Flughafen. Sie sollen den Flieger morgen früh um Neun startklar machen. Hyoga, du und ein paar der neueren Saints kommen mit mir nach Tokyo. Jabu und Ban sollten Nachforschungen über diesen Aisas anstellen. Die anderen bleiben vorerst hier, bis neue Anweisungen folgen."

"Was machen wir mit dem Sagittarius Tempel?"

"Der Tempel wird wieder aufgebaut. Die Gelder werden nächste Woche überwiesen sein. Was die Objekte betrifft, sie wissen sowieso nicht, wie sie damit umgehen sollen. Noch haben wir alle Trümpfe in der Hand!"

"Noch..."


Weiter mit Act 3


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