Für die Göttin leben

...und eventuell auch sterben

Act III -- Vorstellung

© 2000 by Sunwind

This page was last modified: 2000/12/28


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Rückblick:

In Sanctuary ist es für die Göttin nach Aisas Kampfansage und der Detonation des Sagittarius Tempels zu gefährlich geworden. Nachdem sie bei der ersten Konfrontation mit dem Wolf Bronze Saint bereits Fréderics Tod als Verlust hinnehmen musste, beschloss Saori, Sanctuary Shun, der als der neue Kyokou vorgestellt worden war, zu überlassen und mit Hyoga zusammen wieder nach Tokyo zu fliegen. Mit ihnen reisten auch einige Saints der neuen Generation das erste Mal in die Metropole...


"Ihr werdet während eures Aufenthalts in Tokyo eine Betreuerin bekommen."

Diese Nachricht schlug bei den vier Jugendlichen im Aufenthaltsraum am rechten Flügel der Kido-Mansion ein wie eine Bombe. Kaum waren sie 24 Stunden in Tokyo, da gab es schon die ersten Einschränkungen. Eigentlich sollten sie ja als Bodyguards der Göttin fungieren, und nicht als Praktikumsobjekte für angehende Kindergärtnerinnen.

"Wenn ich vorstellen darf: Miss Kibou Ichirou!"

Alle Saints warfen einen flüchtigen und scheinbar uninteressierten Blick auf das Mädchen neben Tatsumi an der Zimmertür. Doch nur Ni schaffte es, seinen Kopf wieder zu senken. Die Augen der anderen erstarrten.

"Hi! Ich heiße Kibou Ichirou. Freut mich, euch kennenzulernen."

Und was das für ein Mädchen war. Schulterlange schwarze Haare, mindestens 65% der Körpergröße einnehmende Beine, und so ein traumhaft süßes Gesicht mit den verführerischsten schwarzen Augen, die die Jungen je gesehen hatten.

"Das ist ein Wunder..." murmelte ein Rothaariger, der gerade auf dem Sofa kniete.

"Ähh, ist sie als Betreuerin nicht ein bisschen zu jung?" fragte der silberhaarige Junge neben Ni, der nach ein paar Sekunden des Erstaunens wieder in der Lage war, einen Satz zu formulieren.

"17 Jahre, und damit älter als die meisten von euch", gab das Mädchen zurück.

"Ich hoffe, ihr behandelt Miss Ichirou mit Höflichkeit und Anstand", sagte Tatsumi, "Wenn es Probleme gibt, rufen Sie mich bitte einfach." Er verneigte sich und verließ den Aufenthaltsraum.

"Wurden Sie von der Göttin hergeschickt?" fragte der Junge mit dem braunen Pferdeschwanz, der bisher geschwiegen hatte, sei es aus Schüchternheit oder aus Sprachlosigkeit über ihre neue Betreuerin.

"Naja, da Miss Kido die Präsidentin der Graude Foundation ist und ich für ihre Firma arbeite, kann man es wohl so bezeichnen." Sie lächelte. "Ihr braucht euch nicht vorzustellen. Ich habe hier sämtliche Informationen über euch." Kibou zückte eine Liste aus ihrer Handtasche:


Name: Nuhachak
Alter: 16
Sternbild: Corvus
Haarfarbe: silber
Geburtstag: 1.8.
Geburtsort: Mongolei
Trainingsstätte: Manchurei
Meister: Aquila Marin

Name: Kaede
Alter: 17
Sternbild: Scutum
Haarfarbe: rot
Geburtstag: 11.12.
Geburtsort: Japan
Trainingsstätte: China
Meister: ---

Name: Feng
Alter: 16
Sternbild: Corona Borealis
Haarfarbe: braun
Geburtstag: 12.1.
Geburtsort: Hongkong/China
Trainingsstätte: Sibirien
Meister: Cygnus Hyoga

Name: Ni
Alter: 16
Sternbild: Southern Cross
Haarfarbe: schwarz
Geburtstag: 21.10.
Geburtsort: ---
Trainingsstätte: Canon Island
Meister: Phoenix Ikki


"Sie weiß alles!" jammerte der rothaarige Kaede und warf sich auf dem Sofa zurück.

"Nach meinem Geschmack nach ein bisschen zu viel!" brummte Nuhachak. "Wie stellen Sie sich denn Ihre Aufgabe vor?"

"Nun", antwortete Kibou, "als allererstes solltest du mich erstmal duzen." Sie lächelte. "Ihr seid ja während eures Trainings ziemlich lange von jeglicher Zivilisation abgeschnitten gewesen..."

"Ich weiß noch immer wie man einen Fernseher bedient", murmelte Kaede auf dem Sofa lehnend.

"Und ich habe nun die Aufgabe, euch wieder zu resozialisieren", fuhr Kibou fort. "Miss Kido meinte, dass ich als eine Altersgenossin für euch als Betreuerin leichter zu akzeptieren wäre. Daher möchte ich, dass wir morgen mit dem ersten Schritt anfangen."

"Und der wäre?"

"Ihr habt in den letzten Jahren sicherlich keine Schule besucht und daher dürfte eure Bildungsniveau relativ niedrig sein. Miss Kido veranlasste deswegen, dass ihr nun immer jeden Wochentag morgens für vier Stunden Privatunterricht bekommt."

Entsetzen fiel über die Gesichter von Nuhachak und Kaede. Ihre anfänglichen Sympathien für das schöne Mädchen schienen verflogen zu sein. Auch Ni schaute nun mit einem ungläubigen Blick hoch.

"Wir sind als Bodyguards hier, nicht als Schüler!"

"Morgen früh um acht Uhr beginnt die erste Stunde", Kibou schien die Einwände der jungen Saints nicht gehört zu haben. "Seid pünktlich! Ich werde auch anwesend sein."

"Wenn das so ist, sehe ich kein großes Problem..."

"Feng!!!"

"Bis morgen also!" Kibou gab ein Lächeln in Richtung Feng ab und verschwand wieder aus dem Aufenthaltsraum. Während Kaede und Nuhachak weiter über das drohende, aber nicht abwendbare Unheil jammerten und Ni genervt den Fernseher anschaltete, starrte der Corona Borealis Saint immer noch völlig abwesend in Richtung Tür.

"Was für ein Mädchen..."

* * *

Feng mochte die Stadt. Schon beim Landeanflug auf den Flughafen hingen seine Augen an der leuchtenden Skyline von Tokyo, denn die karge und leblose Tundraebene von Sibirien war nicht zu vergleichen mit dieser Metropole, wo jeder und alles im Sog des Lichtes unterzugehen schien. Er konnte die kalte Eislandschaft ohnehin nicht leiden, obwohl er bereits sechs Jahre seines Lebens dort verbracht hatte. Denn das Licht war auf diese Weise dort nicht vorhanden.

Und dann dieses Mädchen! Feng grinste auf seinem Zimmer vor sich hin. Kibous schwarze Augen hatten etwas, was die normalen Leute wohl Charisma nennen würden. Aber Feng wusste, dass es Cosmo war, angeborenes Cosmo!

"Die Reise scheint sich langsam zu lohnen..."

Feng packte seine Mappe und ging in das provisorische Klassenzimmer.

* * *

Nach dem ersten Schultag trafen sich alle im großen Speisesaal des rechten Flügels der Kido-Mansion zum Mittagessen. Zur Fengs Freude war Kibou wie versprochen auch anwesend.

"Ich fühle mich echt beschissen!" klagte Nuhachak. "Man behandelt uns wie Kleinkinder, nein, wie Babies!"

"Du hast also die Bruchrechnung kapiert?" fragte Feng grinsend.

"Das habe ich nicht gesagt..." Die weiteren Worte gingen im nicht vorhandenen Bart des Corvus Saints unter.

"Wo ist überhaupt die Göttin, die wir eigentlich beschützen müssten?" fragte Kaede, der sich gerade über einen Teller fritierten Tofu hermachte. "Ich habe sie seit unserer Ankunft hier nicht mehr gesehen."

"Miss Kido hat zur Zeit eine Sitzung mit den Vorstandsmitgliedern der Graude Foundation. Aber spätestens morgen wird sie euch zu sich holen."

"Was ist morgen?" fragte Kaede.

"Auch Göttinen und Firmenleiter müssen etwas für ihr Ansehen in der Gesellschaft tun", sagte Kibou und nahm einen Schluck von ihrer Cola. "Morgen Abend findet ein Wohltätigkeitsball in der Kido-Mansion statt. Da viele Gäste erwartet werden, ist das Risiko natürlich sehr groß, dass die Attentäter wieder auftauchen könnten. Ihr werdet ständig in der Nähe der Göttin bleiben. Alles weitere wird euch Tatsumi mitteilen."

"Woher weiß sie das nur alles?" flüsterte Feng zu Ni.

Dieser zuckte nur unwissend mit den Schultern und fuhr fort, seine Suppe zu schlürfen.

* * *

Nuhachak mochte die Stadt nicht. Das endlose Grasland der Mongolei, das war seine Heimat, wo er sich zu Hause fühlte, und nicht die glitzernden Hochhausmeere von Tokyo. Er vermisste den Wind, der dort nimmermüde über das Land fegte. Im Gegensatz zu der frischen Luft auf der Steppe bekam man hier nur die Abgase der Autos zu riechen.

Der Corvus Saint stand auf. Lange genug hatte er schon in voller Rüstung auf dem Hinterdach der Kido-Mansion gesessen, von wo er die Göttin von weiteren möglichen Anschlägen schützen sollte. Er hatte zwar seine Zweifel an der Positionierung seines Postens, aber da der Empfang in einigen Minuten vorbei sein würde und alles ruhig verlaufen war, hörte er auf, sich Gedanken darüber zu machen.

Plötzlich bemerkte er einen Schatten im Gebüsch hinter der Villa auf das Haus zuhumpeln.

Lautlos glitt der Rabe durch den Nachthimmel und landete hinter der unbekannten Person, die ihn nicht bemerkt hatte und immer noch auf das Haus zuging, wenn auch mit beschwerlichen Schritten. Nuhachak sah das schwer zugesetzte Cloth des jungen unbekannten Mannes, er sah die blutenden Wunden in seinem Fleisch. Und als er seine Hand auf den zerbrochenen Schulterpanzer des Jungen legte, überraschte ihn ein vertrautes Gesicht, dessen Augen von Erschöpfung und Verzweiflung geprägt waren.

"Du?"

* * *

"Sie sind alle tot." Mbega lag auf einem großen Bett in einem Hinterzimmer der Kido-Mansion. Seine Verletzungen waren schlimm, aber nicht lebensgefährlich. Saori, Hyoga und die vier jungen Saints standen um ihn herum. "Meister Jabu, Ban und sein Schüler Mensa Mawensi, alle drei wurden getötet. Ich weiß nicht ob ich noch lebe, weil ich schnell genug war, oder weil sie mich verschont haben, damit ich noch als Bote hierher kommen konnte." Er schloss seine Augen und verzog seine Lippen zu einem bitteren Lächeln.

"'Sie', wer ist das?" fragte Hyoga scheinbar unwissend.

"Es waren Saints, denn sie hatten ebenfalls Cloths, die von den Konstellationen abstammen, genau wie wir." Mbega öffnete seine Augen wieder. "Wir waren mit unseren Nachforschungen in Südchina, als zwei von ihnen uns den Weg versperrten. Sie stellten sich als Reticulum und Sagitta vor, und obwohl wir zunächst in der Überzahl waren, gelang es ihnen gleich am Anfang, Ban und Mawensi zu töten. Meister Jabu und ich hielten noch einige Minuten durch, doch dann befahl Meister Jabu mir zu fliehen, nachdem er eine Attacke von Sagitta mit seinem Körper für mich abgefangen hatte." Seine Augen begannen feucht zu werden. "Sie hatten unglaubliche Kraft. Ihr Cosmo übertraf das von uns um ein Vielfaches!"

Hyoga und Saori tauschten kurz ihre Blicke. Dann nickte Saori.

"Du solltest dich jetzt besser ausruhen. Und sei unbesorgt, der Tod von dreien meiner Saints soll nicht ungesühnt bleiben."

"Danke..."

Darufhin verließen die Saints und Saori das Krankenzimmer. Nur Ni blieb einen Augeblick an der Türschwelle stehen und flüsterte in Richtung Mbega:

"Lass dich nicht einfach so abschlachten..."

Er war sich sicher, dass er ihn gehört hatte.

* * *

"Er hat ganze Arbeit geleistet, was die Ausbildung seiner Schüler betrifft", sagte Hyoga leise mit einem Weinglas in der Hand.

Der Cygnus Saint war mit der Göttin alleine im Lesezimmer der Kido-Mansion. Draußen vor dem Fenster begann es in der Dunkelheit langsam zu regnen. Das feuchte Nass schlug immer lauter in Begleitung des Windes gegen das große Fenster gegenüber vom Kamin.

Saori schaute geistesabwesend aus dem Fenster. Wieder waren drei ihrer Saints umgekommen. Wieder wurden sie von dem gleichen Gegner besiegt. War er nach nur sechs Jahren wirklich so stark geworden?

"Wir müssen handeln!" Hyogas Stimme wurde lauter. "Wir können uns keine weitere Verluste mehr leisten. Wenn das so weitergeht, dann..."

Seine Rede wurde von einer Handbewegung der Göttin unterbrochen.

"Stimmt es, dass dein Meister auch sehr gerne Wein getrunken hat?"

"Wie bitte?"

"Aber ich bin mir sicher, dass er nach zwei Gläsern noch nicht so viel redete."

"...Verzeihung."

"Wir sollten aufpassen, dass er Sanctuary nicht angreift." Saori ging nicht auf Hyogas Entschuldigung ein. "Du wirst morgen früh mit Feng und Nuhachak nach Griechenland aufbrechen, um Shun zu unterstützen. Ni und Kaede fliegen dann gleichzeitig nach China, um die Todesumstände von Jabu, Ban und Mawensi aufzuklären."

"Aber ist es nicht zu gefährlich, Sie hier ungeschützt zu lassen?" fragte Hyoga besorgt.

"Er wird sich nicht trauen..." versicherte Saori. "Und wenn er doch kommen sollte..." Auf ihrem Gesicht erschien ein kühles Lächeln.


To Be Continued


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